Sport: Poledance

Leicht bekleidete, an Stangen tanzende Frauen werden oft mit dem im Rotlichtmilieu zu findenden Striptease in Verbindung gebracht. Dabei vergessen wir gerne den sportlichen Aspekt von Poledance. Denn bei diesem akrobatischen Sport wird der gesamte Körper trainiert. Der BRAUSER war neugierig und hat sich näher mit dem in Mode kommenden Sport auseinandergesetzt.

Bojan-Fotolia_t © Bojan-Fotolia_tChinese Flag, Table Top und Leg lock – Figuren, die von Profis an der Poledance-Stange gehalten, eher nach ein paar netten Dehnübungen aussehen. Doch der lässige Schein trügt, denn Poledance ist ein knallharter akrobatischer Sport, bei dem Muskeln im gesamten Körper, besonders im Oberkörper- und Rückenbereich trainiert werden. Ursprünglich wurde der Stangensport im asiatischen Raum von Männern zum Muskelaufbau genutzt. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts integrierten Zirkus-Artistinnen die Zeltstangen mit in ihre Darbietungen. Vorstellungen, bei denen sich Frauen vor Männern tanzend an Stangen entblösten, wurden in den Folgejahren immer beliebter – „Girlie-Shows” hielten Einzug in Bars und Nachtlokale. Der Poledance kam zu seinem verruchten Image. Auch wenn er dieses noch lange nicht abgelegt hat und vielleicht auch nie vollständig wird, erfreut sich Poledance als Freizeitsport immer größerer Beliebtheit – hauptsächlich bei Frauen!

MUSKELARBEIT

Aber was begeistert Frauen allen Alters, sich in einem Studio kopfüber an eine Stange zu hängen, einzig und allein gehalten von einem Bein? Ganz einfach: Poledance bringt all das mit, was Frauen wollen! Turnerische Elemente aus der Akrobatik, entspannende und dehnende Übungen aus dem Yoga, Kreativität und Eleganz. Die an der sogenannten Pole durchgeführten Figuren fallen aus dem Schema der alltäglichen Bewegungen und sehen – beherrscht man sie denn einmal – auch noch richtig gut aus. Nicht selten muss das gesamte Körpergewicht gehalten werden. Was nicht nur zur Beanspruchung neuer Muskelregionen führt, sondern auch die Kraftausdauer trainiert. Das verbrennt ordentlich Kalorien und verbessert die Körperhaltung der Tänzerinnen, was wohl bekannt zu einer selbstbewussteren Ausstrahlung führt. Zusätzlich spielt der Tanz an der Stange, ähnlich wie andere akrobatische Sportrichtungen mit weiblichen, ästhetischen Elementen. Denn neben dem enormen Kraftaufwand, den man an der Pole definitiv braucht, sollen die Übungen für den Außenstehenden feminin und spielerisch leicht aussehen.

TÄNZERISCH

Lang ausgestrecktes Bein, langsames Ablassen an der Stange – bei der geringen Berührungsfläche mit der Pole erfordern diese eleganten Übungen enorme Kraft, die man der Darbietenden aber nicht im Gesicht ansehen soll. Die Übungen werden oft nicht sehr lange gehalten, was den tänzerischen Aspekt in diese Sportart bringt. Das erfordert auch Flexibilität, weshalb für die Poledance-Begeisterten nicht nur Krafttraining, sondern auch regelmäßiges Stretching auf der Tagesordnung stehen. Durch das ständige An- und Entspannen der Muskeln sind die Übungen noch einmal extra kräfteraubend. Schwung holt man beim Poledance übrigens wenig bis gar keinen.

ABWECHSLUNG

Auch wenn die Requisiten mit Stange, eventuell Handschuhen oder ähnlichem für verbesserten Halt und Schutz für die Hände, klein ausfällt, ist der Poledance ein abwechslungsreicher Sport. Kopfüber, mit oder ohne Einbezug des Bodens, mit einer oder beiden Händen gehalten – die Pole lässt viele Variationen zu. Dass der sportliche Ehrgeiz beim Poledance immer mehr in den Vordergrund rückt, erkennt man auch daran, dass es seit 2005 eine Poledance-Weltmeisterschaft gibt, seit 2011 auch für männliche Vollblut-Tänzer. Der Poledance-Verband bemüht sich, dass der Tanz an der Stange demnächst auch Teil der Olympischen Spiele sein darf.

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Links im Bild – Svitlana Müller.

SVITLANA MÜLLER

• 17. Dezember 1979
• geboren in der Ukraine
• leitet seit 2015 mit ihrem Mann Andreas zusammen das  Sportstudio „Ladies Fitness Land“ in Lohfelden
• seit Kindertagen leidenschaftliche Bodenturnerin und Akrobatin
• als Leistungssportlerin holte sie mit 18 Jahren mit der Ukrainischen Nationalmannschaft den WM-Titel auf Hawaii
• abgeschlossenes Sportstudium, diverse Trainer- und Kursleiter-Lizenzen

Seit anderthalb Jahren bietet Svitlana Müller neben anderen Kursen in ihrem Fitnessstudio auch Poledance-Kurse an. Wir sprachen mit der sportbegeisterten 37-Jährigen über diesen noch unbekannten Sport.

BRAUSER: Svitlana, wie kam es dazu, dass Du Poledance in Deinem Studio anbietest?

Ich möchte mein Studio ständig um neue, außergewöhnliche Kurse erweitern und auf die Wünsche meiner Kundinnen eingehen. Seit ich klein war, habe ich Akrobatik gemacht und schon immer gerne getanzt, da lag Poledance nahe.

BRAUSER: Was macht den Reiz aus?

Mich interessieren Sportarten mit komplettem körperlichen Einsatz, wie funktionelles Training oder TRX. Für neue Sportrichtungen bin ich immer offen und Poledance sieht superschön aus und trainiert den ganzen Körper!

BRAUSER: Seit wann machst Du Poledance?

Angefangen habe ich zur Eröffnung meines Studios 2015. Jetzt gebe ich zweimal die Woche spezielle Kurse.

Ladies Fitness Land
Max-Planck-Str. 1
34253 Kassel/Lohfelden
Tel.: (0561) 20271582
E-Mail: info@ladies-fitness-land.de
Öffnungszeiten: Montag-Freitag: 8-22 Uhr
Samstag-Sonntag: 10-18 Uhr
Alle die Poledance gerne mal ausprobieren möchten, können sich zum Probetrainig donnerstags von 18 bis 19 Uhr anmelden.
www.ladies-fitness-land.de