BRAUSER trifft Nico di Carlo

nino3Frühstück im Rokkeberg, ein Coffee-to-go im Rokkeberg Coffee and Juice oder ein Abend in der King Schulz Bar standen wahrscheinlich bei jedem von uns schon auf dem Tagesplan – doch wer steckt eigentlich hinter diesen Lieblingsplätzen der Kasseler? Der BRAUSER traf den studierten Betriebswirt unter den Gastronomen vor einem der Alten Meister im Schloss Wilhelmshöhe. Der frischgebackene Vater quatschte mit uns offen und ehrlich über Familie, Geschäft und Zukunft.

Gibt es in Deiner Familie eine Gastro-Vorgeschichte?

Nee gar nicht… Vom Nichts zum Gastronomen. Ich hab mich im Hotel Gude, wo ich meine Ausbildung gemacht habe, auch gar nicht beworben, sondern bin von meinem Stiefvater vorgeschlagen worden. Und die haben mich dann genommen. Und dann kam dieses Gastro-Feuer.

Wie kam der Mut zur Selbstständigkeit?

Ich bin sehr unängstlich, weil ich weiß, dass der andere mindestens genauso viel Angst hat. Ich weiß: Alle anderen kochen auch nur mit Wasser.

Gab es vorherige Projekte oder hat Rokkeberg gleich funktioniert?

Ja, ich hatte die Idee schon lange, bestimmt 10 Jahre. Dann bin ich viel rumgereist und hab alles in meine Idee einfließen lassen. Ich habe mir mehr vorgestellt, statt nur ein Kellner zu sein oder nur ein Café an der Ecke zu haben. Man sieht mich eigentlich immer mit Kaffeebecher, deswegen wollte auch immer in die to-go-Szene, was ich jetzt mit Rokkeberg Coffee and Juice geschafft habe. Man kann da noch so viel drumherum machen. Das ist auch unser nächstes Projekt: Das Franchise von Rokkeberg Coffee and Juice. Die Projekte kann man sich auf unserer Internetseite ansehen. Wir machen jetzt das erste Modell in Göttingen auf.

Du lebst wahrscheinlich für Deine Läden? Würdest Du Dich selbst als Workaholic bezeichnen?

Ja, aber nicht im negativen Sinne. Workaholic ist man ja auch wenn Du mit allem, was Du machst, zufrieden bist und für Deine Arbeit lebst. Ich hab mir das so ausgesucht und es macht mir Spaß. Ich stehe jeden Morgen auf und freue mich auf tolle neue Sachen.

Was macht Kassel für Dich so liebenswert?

Die meisten wissen gar nicht wie schön Kassel sein kann. Ich gehe super gerne spazieren, versuche das einmal am Tag. Ich bin gerne am Lac, der ist immer charmant.

Und was nervt Dich hier besonders?

Klar, wir haben oft Baustellen. Man hat das Gefühl, Kassel hört nie auf mit Bauen. Und dann ist das, was neu gebaut wird, nicht immer optimiert. Aber ich glaube, das Problem hat jede Stadt (lacht).

Kaffee oder Tee, Nico?

Auf jeden Fall Kaffee.

Bier oder Wein?

Bier!

Steak oder Salat?

Salat.

Von Deinen eigenen abgesehen, in welcher Location trifft man Dich am häufigsten?

Hier bin ich ehrlich gesagt am ehesten in meinen Eigenen. Wenn ich frei hab, bin ich eigentlich lieber zu Hause. In anderen Städten gucke ich mich aber gerne um, zum Beispiel im Bastard Café in Berlin. Da bin ich sehr gerne.

Club oder Couch?

Der Schweinehund sagt Club, aber die Verantwortung sagt Couch. Eigentlich beides zu gleichen Teilen.

Angenommen Du hast die nächsten drei Tage spontan frei, was würdest Du als erstes machen?

Sofort ans Meer! In den Norden, das ist nicht so weit. Hätte ich eine Woche, dann in den Süden, schön unabhängig mit dem Auto.

Südsee oder Sylt?

Beides nicht. Ich bin weder der Kokosnuss-Südsee, noch der Sansibar Typ. Ich brauche Action und mag Kultur! Ich liebe Rom, da riecht es nach frischem Brot und jeder Pflasterstein ist etwas Besonderes.

Strand oder Berge?

Dann eher Strand. Da würde ich aber Fischen gehen oder sowas.

Was sollte das Internet über Dich vergessen?

Ach, ich bin mir egal, muss ich sagen. Klar wird man auch mal persönlich angegriffen, aber das ist dann okay. Ich nutze das Internet für mich und andere Menschen nutzen es zu ihren Gunsten und jeder hat das Recht dazu sich frei zu äußern. Ich bin eher der positive Typ und mache mir nicht so viele Gedanken darüber. Man muss das eher mit Abstand sehen.

Welches Lied sollte bei Deiner Beerdigung gespielt werden?

Wow, tolle Frage… Ich höre so viel Musik. Ich denke irgendwas Doof-Witziges. Ein italienischer Chanson. Das wäre glaube ich am geilsten.

Wenn man Dein Leben verfilmen würde, welcher Schauspieler sollte Dich spielen?

Ich würde mir Moritz Bleibtreu wünschen.

Nico, zeig uns den Inhalt Deiner Hosentasche!

Nico, zeig uns den Inhalt Deiner Hosentasche!

Nenne drei Deiner Lieblingsfilme?

Oh ja, Filme mag ich total gerne. Fargo, Adams Äpfel und ich bin gerade am Dreiteiler Der Pate.

Aufs Fernsehen bezogen, Serien oder Sport?

Keins von beidem. Ich bin nicht sportaffin und für Serien hab ich keine Zeit. Ich komme bis Folge drei und die guck ich meistes wenn ich krank bin, an einem Stück.

Hund oder Katze?

Hund! Also ich hab keinen, aber ich hätte gerne einen. Aber man hat mir gesagt, der würde die Treppe nicht hochkommen und er müsste ja auch immer mit.

Kuscheln oder Knutschen?

Beides, das gehört zusammen!

Wo kannst Du entspannen, wenn Dich mal alles nervt?

Gar nicht… Ich gehe nicht ins Solarium oder so. Ich bin einfach stressresistent. Das hängt bestimmt damit zusammen, dass ich nicht alles so ernst nehme. Aber ich freue mich, wenn ich mal mit meinen Freunden etwas Trinken gehen kann.

Für was hättest Du gerne mehr Zeit?

Für meine Familie und meine Freunde. Ich kann schlecht abschalten. Ich hab immer Ideen und dann artet das schnell in Arbeit aus.

Wenn Du jetzt spontan etwas verändern könntest, was wäre das?

Gar nichts. Ich stehe jeden Morgen auf und bin happy. Ich kenne meine Problemchen und weiß auch, was man verbessern kann. Ich habe viele Freiheiten kreativ zu sein und mich selbst frei zu machen. Aber negative Sachen lasse ich auch nicht an mich heran.

Wann hast Du das letzte Mal geweint?

Ganz ehrlich: Das ist gar nicht meins. Also ich liebe Weinen. Wenn man die Emotionen über Weinen ausdrücken kann, das ist ganz ganz toll. Aber ich habe das irgendwann abgestellt. Ich bin ein sehr realistischer Mensch und dann kickt’s mich nicht so leicht.

Welche Eigenschaft hattest Du als Kind, die Du heute noch hast?

Ich bin frech (lacht). Wenn jetzt jemand auf mich sauer ist und auf mir rumhackt, dann frag ich erstmal, ob’s denn wirklich so schlimm ist. Andere könnten sich dann nicht so ernst genommen fühlen. Das war auch in der Bundeswehr schon mein Problem. Trotzdem war ich auch immer der Erste, wenn es darum ging, mit den Chefs ein Bier zu trinken. Man muss mich halt durchschauen, sonst kann ich schnell überheblich wirken, was ich aber wirklich nicht sein will!

Wann bist Du zu streng mit Dir?

Loyalität. Das verlange ich. Wenn man mich enttäuscht, dann bin ich da auch echt hart. Da müsste ich lockerer werden.

Was hast Du für einen Anspruch an Dich selbst?

Das was ich mache, so gut wie möglich zu machen. Und dass ich nicht so weit träume, sondern der Erfolg messbar bleibt.

Was willst Du im Leben unbedingt noch machen?

Ich mach grad meinen Segelschein am Edersee. Bin glaube ich auch der mieseste Teilnehmer (lacht). Ich mache das denke ich wie in der Uni: Dass ich irgendwann ganz viel lerne und dann bestehe. Und dann will ich mir mit Freunden ein Boot kaufen und dann ein halbes oder ganzes Jahr mit meiner Familie aufs Meer.

Wie haben Fabian Hilbich von Wild Wood und Du zusammengefunden?

Das war auf einer Party im damaligen Unten. Ich wusste, dass es ihn gibt und er das Wild Wood macht und das fand ich auch cool. Dann sind wir an der Bar aufeinandergetroffen und ich habe ihm erzählt, dass der Standort der jetzigen King Schulz Bar frei ist und ob er Lust hat das mit mir zusammen zu machen. Und da hatte er Bock drauf. Dass wir uns kennenlernen, brannte quasi unter den Fingernägeln und er ist der beste Geschäftspartner, den ich mir vorstellen kann. Er ist auch so unglaublich anders als ich, er macht die Dinge gerne, die ich nicht gerne mache. Ich schätze ihn und unsere Freundschaft total!

 

Wenn Du mit jemandem tauschen könntest, dann wäre das?

Niemand. Ich bin vollkommen eins mit mir, alles gut so wie’s ist!

Was hast Du immer im Kühlschrank?

In letzter Zeit Harzer Käse. Da steh ich voll drauf.

Hast Du ein Ritual?

Ich stehe relativ früh auf, gehe in den Laden, trinke einen Kaffee und rauche draußen noch eine Zigarette. Ich beantworte den ganzen Tag irgendwelche Nachrichten auf dem Handy, aber dann bewusst nicht. Mein Kaffee und meine Zigarette sind mir dann heilig.

Der perfekte Tag endet und beginnt mit?

Mit meiner Freundin und Kaffee im Bett. Und ein guter Tag endet mit erledigten Problemen.

handy-ninoWelche App benutzt Du am häufigsten?

WhatsApp. Und Facebook viel beruflich. Aber zu Hause lege ich das Handy oft weg.

Würdest Du uns die letzte Nachricht auf Deinem Handy zeigen?

Ja, die ist sogar noch ganz witzig.

Welches Emoji benutzt Du am häufigsten?

Oh. Den roten Luftballon. Die anderen finde ich alle doof, der Luftballon steigt immer nach oben. Ich glaube meine Leute finden das auch anstrengend, wenn ich immer den Luftballon mache, aber zwinkern oder so finde ich dann immer nicht so ernst gemeint.

Was hast Du zu Hause immer vorrätig, was Du nie isst oder trinkst?

Remoulade in der Tube. Mein Vater hat gesagt, das hält ewig.

Wie schaltest Du ab?

Mit meiner Familie.

Wie kam die Idee für Rokkeberg?

Schon im Studium, da hab ich das Cross-Selling-Modell kennengelernt. Ich finde, dass ja alles einen eigenen Charakter, vom Stuhl bis zur Kaffeetasse hat. Da hab ich mich gefragt, warum verkauft man das nicht gleich mit? Und Rokkeberg ist die Essenz, die Stil und Gastronomie zusammenführt.

Was ist das Erfolgsrezept Deiner Arbeit?

Du musst wissen, dass Scheitern keine Alternative ist. Umso mehr Du mir sagst, dass etwas nicht geht, würde ich Dir zeigen, dass es doch geht. Das ist diese Frechheit in mir. Wenn man den Willen, dass man alles schafft, in sich drin hat, kann man es auch schaffen. Und von einem Erfolg bekommt man dann Schub für das Nächste. Dann bist Du in einem Kreislauf, den Du selbst erzeugt hast, in dem Du Dir aber auch immer mehr zutraust.

Wie gehst Du mit Kritik um?

Wenn mein Geschäft kritisiert wird, weil vielleicht die Eier zu hart waren und jemand das ins Internet stellt, dann will er das so. Und ich stehe nun mal am Ende der Kette. Dann gehe ich damit auch konstruktiv um. Wenn es mal schlecht läuft, was passieren kann, weil wir mit vielen Leuten zusammenarbeiten und man nicht alles kontrollieren kann, dann freue ich mich über ein persönliches Gespräch. Dafür bin ich immer erreichbar. Ich finde immer einen Weg, wie man drüber reden kann. Wenn man dann wieder die gleiche schlechte Erfahrung macht, kann man immer noch an die Öffentlichkeit gehen.

nino1Wie ist das Verhältnis zu Deinen Angestellten?

Ich arbeite aktiv im Rokkeberg. Ich helfe immer, wenn es was zu tun gibt. Ich bin mir für nichts zu schade. Ich glaube, ich bin der Putzteufel. Aber ich erwarte auch Respekt, weil das nun mal meine Existenz ist.

Jetzt sind Deine Ladenkonzepte ja noch relativ jung. Was machst Du um sie langfristig zu halten?

Das Schöne bei Rokkeberg und Co. ist, dass wir ein ziemlich klares Design haben. Das Logo zum Beispiel ist nicht zu verspielt, wo ich auch drauf geachtet habe. Es ist zeitlos. Rokkeberg verändert sich stetig. Erst gestern habe ich drei Stühle verkauft und dann kaufe ich neue. Dann kommen die Kunden und der Laden sieht wieder anders aus. Diese Freiheit lasse ich mir auch nicht nehmen.

Was ist die Idee hinter Smoking Kids?

Smoking Kids ist mein altes Ego. Der Mittelfinger, den ich in mir trage. Wir machen in der Gastronomie alles, was den Leuten gut tut, frische Säfte und ausgewählte Zutaten. Aber ich bin ein kleiner Rocker und mag es auch anzuecken. Smoking Kids ist eine offene Plattform, wo ich für Projekte Anderer offen bin. Für junge Künstler, die vielleicht keine rosa Luftballons malen, sondern kaputte.

Welche Beziehung hast Du zu Deinen Kunden?

Ich sehe mich nicht als der Gastronom, der den ganzen Tag durch die Läden läuft und alle Gäste begrüßt. Das muss man mir auch nachsehen. Ich mag diesen Mittelpunkt nicht. Ich mag lieber das Ganze im Hintergrund. Ich sehe ja auch nicht aus wie ein Geschäftsmann, was auch ein Grund zu Selbstständigkeit war. Ich wollte mich nicht verbiegen.

Ist Dir bei geschäftlichen Beziehungen die Freundschaft oder die Rendite wichtiger?

Grundsätzlich helfe ich immer meinen Freunden. Ich bin nie wirklich nur aufs Geld aus. Geld hat einen eigenen Charakter. Ich weiß, dass man es haben muss und viele Dinge einfacher sind, wenn man es hat. Aber es ist nicht mein Fokus. Die kreativen Aspekte sind mir wichtiger.

Gibt es schon Ideen für zukünftige Projekte? Auch zur documenta?

Klar, unsere Geschäfte werden zur documenta toll bespielt. In der Goethestraße werden Bands spielen. Im King Schulz ja sowieso. Im Rokkeberg Coffee and Juice bauen wir den Außenbereich aus.

Was machst Du jetzt als nächstes?

Einkaufen. Für den Laden.