BRAUSER trifft Alexandra Berge

Die Ruhe einer Kunstausstellung und das Getöse nach einem Foul auf dem Fußballplatz – Alexandra Berge findet man in beiden, auf den ersten Blick, so unterschiedlichen Welten. Seit 2010 arbeitet sie als Geschäftsstellenleitung im Kasseler Kunstverein, seit 2016 ist sie im Vorstand des KSV Hessen Kassel. Wir trafen die 43-Jährige auf der Osttribüne des Auestadions und plauderten über Beruf, Hobby und Privates.

Alexandra-Berge

Du kommst aus Melsungen, was brachte Dich nach Kassel?

Ich bin in Melsungen aufgewachsen. Nach dem Abitur hab ich mich in Kassel eingeschrieben, für Kunstgeschichte und Philosophie. Später hab ich gewechselt und hab Betriebswirtschaft in Bamberg studiert. 1999 bin ich wieder nach Kassel gekommen, weil ich meinen damaligen Lebensgefährten kennengelernt hatte. Mittlerweile bin ich mehr als freiwillig in Kassel. Es zieht mich überhaupt nicht weg.

2008 Nachrichtenmeisterei, 2010 Kunstverein – war das Eine die Entwicklung des Anderen?

Definitiv! Ich lernte einige der Akteure der Nachrichtenmeisterei kennen, dadurch bin ich wieder in die kulturelle Szene Kassels eingestiegen. Zweimal hab ich auch die technische Leitung bei der Medienkunstausstellung Monitoring übernommen. Dann wurde die Stelle im Kunstverein frei und die war ja extrem gut auf mich zugeschnitten. Als Geschäftsstellenleitung ist ein kaufmännischer Hintergrund mehr als sinnvoll. Weil ich durchaus schon im kulturellen Kontext gearbeitet habe, war das die perfekte Kombination. Dann hab ich 2010 beim Kasseler Kunstverein angefangen, wo ich immer noch bin.

Serien oder Sport?

Beides! Aber Fußball auch über alle Ligen hinweg. Wenn sonntags die uninteressanteste Zweitliga Ansetzung der Welt läuft und ich nicht Besseres vorhab – na dann guck ich die.

Kuscheln oder Knutschen?

Das ist doch keine Entweder-oder-Frage. Beides! Unbedingt!

Wenn Du jetzt spontan etwas verändern könntest, was wäre das?

Wenn es auch in einem nicht ganz konkreten Sinn sein darf, dann würde ich es gerne schaffen gegen die Ängste, die viele Menschen aktuell nicht nur in Deutschland haben, anzugehen. Diese Ängste sind meiner Meinung nach die Ursache für Vieles, was im Politischen gerade schief läuft.

Wann hast Du das letzte Mal geweint?

Ich weine – nicht täglich und nicht jede Woche – aber häufig. Weinen hat ja auch eine Funktion und muss einem nicht peinlich sein. Ich weine auch bei Filmen oder in Situationen, in denen ich kurz überlastet bin. Dann ist erstmal viel raus bei mir. Aber das letzte Mal vor zwei, drei Wochen, allerdings aus privaten Gründen!

Wie gelang denn der Spagat von Hessentag und Kunstverein zum KSV?

Als wir die Repräsentantenfunktion für den Hessentag angenommen haben, war ich ja schon beim Kunstverein. Das war für manche schon ein Gegensatz, den ich aber nicht sehe. Für den Spagat zwischen Kunst und Fußball hab ich eigentlich auch keine Antwort, weil ich da keinen sehe.

Was ist Dein Lieblingstier? Flughörnchen. Würdest Du uns eins malen? Hätte ich mal lieber Igel gesagt (lacht).

Was ist Dein Lieblingstier? Flughörnchen.
Würdest Du uns eins malen?
Hätte ich mal lieber Igel gesagt (lacht).

 

Kaffee oder Tee?

Kaffee!

Bier oder Wein?

Beim Grillen und im Stadion: Bier. Bei gutem Essen: Wein.

Was macht Kassel so liebenswert?

Für mich ist es, auch wenn es abgedroschen klingt, das persönliche und berufliche Netzwerk, das ich mir über die Jahre aufgebaut habe. Um das aufzugeben, müsste schon was ganz Dickes kommen.

Wenn Du spontan drei Tage frei hättest? Was würdest Du machen?

Kochen! Ich lege sehr viel Wert auf Essen und koche extrem gerne.

Südsee oder Sylt?

Sylt.

Strand oder Berge?

Beides!

Was sollte das Internet über Dich vergessen?

Wenn man mich stalkt, kommt ja als erstes, glaube ich, immer noch eine Menge über den Hessentag. Am Anfang trugen wir ein blau-weißes Outfit, mit dem dann auch keiner der Beteiligten mehr zufrieden war. Die Bilder hätte ich gerne weg. Aber ich habe mit 16 keine peinlichen Bilder von mir veröffentlicht, also hält sich alles in Grenzen (lacht).

Ist Deine KSV-Tätigkeit mehr Hobby oder Job?

Es ist ein Ehrenamt, klar! Ich würde sagen beides. Ich wusste, als ich mich entschieden hatte, die Verantwortung zu übernehmen, dass es auch mit Arbeit und weitreichenden Entscheidungen zusammenhängt. Ich nehme es ernst wie einen Job. Es gibt aber natürlich viele Momente, wo es ein großartiges Hobby ist!

Der letzte Chat bei WhatsApp von Alexandra.

Der letzte Chat bei WhatsApp von Alexandra.

Und wenn Du Morgen ein Angebot von einem Erstligisten erhalten würdest, würdest Du das Angebot annehmen?

Das kommt auf den Erstligisten an.

ehmen wir den, der Dir am nächsten liegt. FC Bayern?

Tatsache (lacht). Also, erstens müsste ich nach München ziehen, das würde mir schwerfallen. Und meine hauptamtliche Tätigkeit überwiegt dann doch mit 51 Prozent. Daher würde ich nicht wechseln.

Wie gelingt es Dir, Dich als Frau in dieser „Männerwelt“ Fußball zu behaupten?

Ich habe mir selber die Frage, ob ich mich als Frau behaupten muss, weniger gestellt. Am Ende werde ich doch danach bewertet, was ich mache. Und wenn mal dumme Sprüche kommen, die kann ich kontern. Wurden dadurch auch weniger.

Und womit würde der perfekte Tag enden?

Entweder mit einem guten Gespräch Zuhause und einem Rotwein oder einer Folge der Lieblingsserie und einem Rotwein. (lacht)

Wenn du mit jemanden tauschen könntest, dann wäre das?

Also, das interessiert mich jetzt selber (lacht). Für länger mit niemandem. Reden wir von ein, zwei Tagen, dann mit einem hohen Funktionär der FIFA, egal welcher. Was da so abläuft, würde mich dann schon mal interessieren.

So sieht Alexandras Tasche von innen aus.

So sieht Alexandras Tasche von innen aus.

Womit beginnt der perfekte Tag für Dich?

Mit Ausschlafen! Und zu wissen, dass keine Termine drängen.

Was machst Du als Nächstes nach diesem Treffen?

Ins Büro fahren.