Der Berg ruft: Sebastian aus Helsa lebt den Skilehrer-Traum in Tirol

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Retro-Skianzug, Schneereste im blonden Bart – so sieht man den aus Helsa stammenden Sebastian Schröder circa 150 Tage im Jahr die österreichischen Berge hinunterfahren. Nach verschiedenen Jobs in der Tourismusbranche hat der Hobbymechaniker unser Nachbarland zu seiner Heimat gemacht. Der BRAUSER wollte mehr über den Tiroler Skilehrer erfahren.

„Skifahren ist nicht alles, sondern das Einzige“, ist das Lebensmotto von Sebastian Schröder, der bereits mit anderthalb Jahren auf Skiern stand. Mit sechs fuhr er seine ersten Rennen – damals noch in seiner Heimat Helsa. Die Begeisterung für den Skisport liegt in der Familie, wie er uns verriet. Schon sein Vater war Skilehrer und ist nun erster Vorsitzender des Ski Club Helsa. Vor zehn Jahren verschlug es den Weltenbummler, der schon früh in ganz Europa unterwegs war und unter anderem in Frankreich gearbeitet hat, nach Kufstein, wo er Sport-Kultur und Veranstaltungsmanagement studiert hat.

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Mittlerweile gibt er Wintersportbegeisterten Unterricht im Ski, Langlauf und Snowboard. Genau das Richtige für den 37-Jährigen: „Früher habe ich für andere gearbeitet, für wenig Geld und einen Haufen Stress. Jetzt arbeite ich für mich, mit wenig Geld und jeder Menge Spaß.“ Derzeit ist der Diplom-Skilehrer in der Ausbildung zum staattlich geprüften Skilehrer, die, wie er uns verriet, die Höchste und Anerkannteste im Skibereich ist. ,,Darauf folgt nur noch der Skiführer, der es erlaubt abseits gesicherter Pisten zu fahren.“, erklärt er uns.

Für Anfänger

Allen die sich für den Wintersport interessieren und mal reinschnuppern möchten, legt der Freizeit-Skater natürlich seinen Heimat-Skiclub in Helsa ans Herz. Den Wickenroder Skihang vermisst der Wahl-Österreicher, der früher Deutsche Meisterschaften  mit dem Olympiasportler Felix Neureuther gefahren ist. „Wie Felix sich schlägt interessiert mich dann schon. Skirennen sind auch das Einzige was ich mir im Fernsehen ansehe, sonst bleibt der eher aus. Ab und zu mal Servus-TV.“

Neben dem SC Helsa findet man auf der Homepage des Hessischen Skiverbands eine Liste mit Skiclubs in der Nähe. Um Geld zu sparen, rät er Anfängern, in der eigenen Region die ersten Skistunden zu nehmen, damit man in den Skigebieten sofort durchstarten kann. „Ideal ist es, wenn man sich direkt einen Lehrer nimmt“, rät Sebastian. Denn das größte Problem sei es, falsche Bewegungsmuster wieder abzutrainieren. „Daher rate ich immer zum Privatkurs.“ Vor jeder ersten Abfahrt sollten natürlich die internationalen Skiregeln bekannt und die Ausrüstung einwandfrei sein. Ist eine allgemeine Fitness vorhanden, sieht er kein Problem darin den koordinativen Sport zu erlernen.

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Skilehrer-Image?

Muss man sich denn als Skilehrer eigentlich jeden Abend von den Skischülerinnen angraben lassen? „In der Skischule in der ich bin ist das nicht so klischeemäßig. In Ischgl oder anderen Hochburgen sicherlich“, berichtet Sebastian, der neben Ski- auch Tennisstunden gibt. Er sei aber auch gar kein Après-Ski-Fan. „Nur manchmal kommt man eben nicht drumherum“, gesteht der Guns N’ Roses, Nirvana und Co.-Fan. Wenn der leidenschaftliche Freerider, den seine Freunde als durchgeknallt, lustig und symphatisch beschreiben würden, mal keine Skier umgeschnallt hat, fährt der Sportbegeisterte Rennrad, skatet oder geht Windsurfen. „Ich versuche mich jeden Tag zu bewegen“, erzählt er uns. „Mein Körper ist schließlich sozusagen mein Einkommen“, scherzt er. Etwas ruhiger geht es in seiner eigenen kleinen Werkstatt zu, wo er an VW-Bussen, Fahrrädern und Mopeds schraubt. Von „Altem“ ist der VW-Bus-Liebhaber sichtlich angetan. „Wir haben hier in Going am Wilden Kaiser einen Retro Skiclub gegründet, in dem es darum geht mit altem Skimaterial zu fahren“, erklärt uns der ausgebildete Kaufmann für Bürokommunikation. Wenn Sebastian mal den Kopf freibekommen muss, geht er zum Entspannen in die Sauna, eine Runde laufen oder fährt abseits des Pisten-Getümmels.

Seine Träume

Auf die Frage, was ihn denn im Leben glücklich mache, antwortet Sebastian: „Zufrieden sein mit dem was ich tue.“ Ein schöner Satz, der perfekt in sein Leben passt. Denn seinen Lebensunterhalt verdient der Sportler mit seinem Hobby. Gearbeitet hat er bereits in verschiedenen Skigebieten und jobbte bei Sportcamps und Festivals – so sah er schon viel von der Welt. Aktuell fühlt er sich im Stanglwirt Zuhause. „Wir sind ein 5-Sterne-Hotel und haben auch öfter prominente Gäste“, berichtet Sebastian, der im nächsten Jahr mit ein paar Kollegen zum Unterrichten nach Argentinien reisen will. Lachend erzählt er: „Einmal bin ich zu dem Vater von zwei Schülerinnen gegangen, habe mich nett mit Basti vorgestellt und gefragt, wie er denn heißt. Da fingen alle anderen an zu lachen, weil ich nicht gemerkt hatte, dass Ex-Fußballer Mehmet Scholl vor mir stand.“ Bleibt da überhaupt noch Platz für Träume? Bei Sebastian schon: eine Skihütte abgeschnitten von jeglicher Zivilastion, direkt am Berg, eine Hinterhof Werkstatt oder Skiunterricht in Kanada zu geben stehen auf seiner Liste.

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Sebastian Daniel Schröder

• 18. August 1979

• geboren in Kassel

• fuhr bis 1999 Skirennen: Hessische Meisterschaften, Deutsche Meisterschaften, DSV-Punkte-Rennen

• abgeschlossene Ausbildung zum Kaufmann für   Bürokommunikation

• Ski-, Langlauf-, Snowboard- und Tennistrainer

• ausgebildeter Reise- und Campleiter

 

sebastianschroeder.com