Kartfahren: Heisse Reifen in kleinen Kisten

FS_2 Die Motoren heulen auf, es riecht nach verbranntem Gummi und Benzin. Das ist die Welt des Kasseler Kartfahrers Dieter Fabisch. Vor zehn Jahren hat er schon einmal mit uns über sein außergewöhnliches Hobby gesprochen. Doch was hat sich seitdem verändert und was ist so begeisternd am Motorsport? Der BRAUSER hat nachgehakt.

Die asphaltierten grauen Rennstrecken, die oft an Kreise oder Achten erinnern, auf denen kleine, bunte Wagen ihre Runden drehen, kennt vermutlich jeder. Doch was den Sport ausmacht und welche unterschiedlichen Disziplinen es dabei gibt, wissen wahrscheinlich die wenigsten von uns. Denn Kartfahren ist viel mehr, als nur ein paar Runden im Kreis zu fahren: Die kleinen mit Verbrennungs- oder Elektromotoren ausgerüsteten Karts erreichen durch ihren niedrig gelegenen Schwerpunkt hohe Geschwindigkeiten, wenn ihre Fahrer sie durch die Kurve hetzen. Es erfordert eine extreme körperliche Anstrengung, um diese Situationen zu meistern. Einer der Gründe, warum körperliche Fitness bei diesem Sport über Sieg und Niederlage entscheiden kann. Die Fähigkeit Ruhe zu bewahren, sowie sich auf den Punkt konzentrieren zu können sind ebenfalls wichtig.

Mehr als Rundenzählen

Das weiß auch der leidenschaftliche Kartfahrer Dieter Fabisch, der durch seinen großen Bruder zum Motorsport gekommen ist und seitdem für den KMC Kassel seinen Flitzer über die Bahn jagt. Was ihn an dem Sport so begeistert, ist für den Studenten ganz klar: „Die Begeisterung an Vier-Rad-Fahrzeugen und der Reiz sich mit Konkurrenten am Limit zu messen.“ „Jugend-Kart-Slalom ist eine Disziplin für Einsteiger, in der man einen mit Hütchen aufgestellten Parcours schnellstmöglich durchfahren muss.
Dabei ist man auf sich allein gestellt“, erklärt uns der 23-Jährige. Langstreckenrennen werden in Teams gefahren und dauern zwischen drei und 24 Stunden.

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Der Kampf um den Cup

Die Fahrer wechseln sich bei diesen Rennen ab. Die Mannschaft, die die meisten Runden erfahren konnte, gewinnt. „Dort ist der Rad-an-Rad-Kampf und natürlich die Ausdauer wichtig. Um solche Rennen gewinnen zu können, braucht man ein Team, mit denen man sich zu Vorbereitungen treffen kann“, meint Dieter Fabisch, der sich mit seinen Kameraden auch gerne abends trifft, um Zukunftspläne zu schmieden. Sein Wunsch ist es, sein Hobby zum Beruf zu machen. Die ersten Schritte ist der Maschinenbau-Student dafür bereits gegangen. Mit einem an der Uni Kassel entwickelten Rennwagen konnten er und seine Mitentwickler bereits internationale Erfolge einfahren. Der junge Mann weiß, was er will und bleibt seiner Begeisterung für motorisierte Fahrzeuge dabei stetig treu. „Seit 2016 fahre ich auch Rallyecross. Das ist ein noch engerer Kampf auf unbefestigter Strecke. Ich kann mir vorstellen auch mal ein eigenes Team zu haben und Fahrzeuge für die, die in den Sport reinschnuppern möchten, zu vermieten.“ verriet er uns. „Beim Fahren muss man von der ersten Sekunde an voll konzentriert sein. Zum anderen gibt es den mentalen Teil, wo gerne Psychospiele gemacht werden“, verrät uns Dieter. Und er muss es wissen, denn er hat unter anderem den ADAC-Youngster-Cup-Bundesendlauf als Sieger verlassen. „Vor jedem Wettkampf muss man sich aufwärmen. Ich versuche dann alles auszublenden und mich nur auf das Fahren zu konzentrieren. Somit hampel ich noch bis zu letzten Sekunde am Start rum, was durchaus witzig anzusehen ist“, verrät der Technikfanatiker, der von seinem besten Freund und Beifahrer als „gaskranker Student mit Zukunft als Testfahrer im Automobilbau“ beschrieben wird.

Und sonst so?

Für und neben dem Sport hält sich der Student, der mehrere Fahrzeuge fährt, die natürlich auch gepflegt werden müssen, mit Bouldern, Staffel-Marathon und Surfen fit. Freunde und Familie sind ihm natürlich wichtig. Die will er dabei auf keinen Fall vergessen! Und wenn so ein Allrounder mal entspannen will? „Ich hab viel ausprobiert, doch mir ist dann nur mein Bett geblieben. Dort bin ich nicht erreichbar.“ Für alle Kartfahrinteressierten hat Dieter noch einen Tipp: „Nicht Driften! Sieht cool aus, ist aber nicht schnell.“

P1080130Steckbrief

Dieter Fabisch
4. Januar 1993
geboren in Kassel
Maschinenbau Student
seit 2004 im Kartsport
Kurhessischer Motorsport-Club Kassel e.V. im ADAC
www.kmckassel.de

Erfolge:
• mehrere Male Nordhessen Meister
• Hessen-Thüringen Meister
• Dmsj Deutscher Vize-Meister
• ADAC Bundesendlauf-Sieger Automobil-Slalom-
Youngster Cup
• Einstieg in den Tourenwagen Langstrecken Rennen
auf dem Nürburgring/Nordschleife im Mini Cooper
• Test- und Eventfahrer Formula Student seit 2012
• Seit 2016 Rallyecross

Kurhessischer Motorsport-Club Kassel e.V. im ADAC
Rudolf-Schwander-Straße 17, 34117 Kassel
www.kmckassel.de

In seinem Anfangsjahr zählte der Club rund 40 Mitglieder, alles waren ausschließlich Motorradfahrer. Mittlerweile sind über 300 Motorbegeisterte Teil des Clubs, der Rallyes, Automobil-Slaloms, Orientierungsfahrten, Kart-und Oldtimer-Sport veranstaltet. Die Jugendgruppe feiert große Erfolge. Auch Veranstaltungen wie Fahrradtouren und Präsenz auf Zissel und Co. gehören zu den Aktivitäten des Vereins. Wer neugierig ist, sollte mal vorbeischauen.