Im Justizvollzugsdienst: Ein Tag mit Katharina Niesik

Die 33-jährige Kasselerin hat nach ihrem Fachabitur Versicherungskauffrau gelernt. Seit dem 1. Juni 2015 ist sie Obersekretäranwärterin im Justizvollzugsdienst. Die solide Ausbildung erfolgt in Form eines zweijährigen Vorbereitungsdiensts in Theorie und Praxis. Nach erfolgreichem Abschluss der Ausbildung hat man bei entsprechender Leistung gute Aufstiegsmöglichkeiten bis hin zur Amtfrau oder zum Amtmann oder kann sich für den gehobenen Vollzugs- und Verwaltungsdienst weiter qualifizieren.

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Warum hast Du dich für diesen Job entschieden?

Bei mir war es in erster Linie ein Bauchgefühl. Die JVA Kassel 1 lädt alle Bewerber im Vorfeld eines Bewerbungsgesprächs zu einer Führung durch die Anstalt ein, an dem Tag stand für mich fest, dass ich dort arbeiten möchte. Natürlich spielen der sichere Arbeitsplatz beim Land Hessen und die damit verbundene Einstellung als Beamter in der heutigen Zeit genauso eine Rolle, wie attraktive Vergütungen und Sozialleistungen.

Wie läuft das Auswahlverfahren der Berufsanwärter ab?

Ich wurde im Vorfeld zu einer Führung durch die Kassel 1 eingeladen. Einen Tag später hatte ich das Bewerbungsgespräch. Wenn man dort von sich überzeugen kann, wird man im Anschluss zur schriftlichen Prüfung und zum Sporttest eingeladen. Hat man beides bestanden, wird man am darauf folgendem Tag nach Wiesbaden in das Dienstleistungszentrum für den hessischen Justizvollzug eingeladen. Dort erfolgt dann der psychologische Test.

Wie ist dann der Ablauf der Ausbildung?

Der Ausbildungsablauf beginnt mit einem Einführungspraktikum (1 Monat) in der Stammdienststelle, also der einstellenden Justizvollzugsanstalt. Danach folgt die fachtheoretische Grundausbildung im H.B. Wagnitz-Seminar (Dienstleistungszentrum für den hessischen Justizvollzug), in Wiesbaden. Der Grundlehrgang dauert 3 Monate. Als nächstes folgt die praktische Ausbildung im Vollzug: Untersuchungshaft (3 Monate), Strafvollzug (5 Monate), Jugendstrafvollzug (3 Monate), offener Vollzug (1 Monat). Der praktische Teil endet mit der Schwerpunktausbildung in der Stammanstalt (4 Monate). Zum Ende der zweijährigen Ausbildung absolviert man den fachtheoretischen Abschlusslehrgang im H.B. Wagnitz-Seminar. Mit bestandener Prüfung wird man zum Beamten auf Probe ernannt.

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Welche Voraussetzungen muss man für diesen Beruf mitbringen?

Für eine Ausbildung zur Beamtin im hessischen Justizvollzug sollte man:

• Mindestens 18 Jahre oder höchstens 40 Jahre alt sein,
• nicht vorbestraft sein,
• ein ausgeprägtes Verantwortungsbewusstsein haben,
• über die entsprechende körperliche Eignung verfügen,
• einen abgeschlossenen Realschulabschluss, Abitur oder einen Hauptschulabschluss mit abgeschlossener Berufsausbildung haben,
• die deutsche Staatsangehörigkeit oder die eines anderen Mitgliedsstaates der EU haben.

Genauere Informationen kann man auf der Homepage www.justizvollzughessen.de finden.

Welche Aufgaben muss ein Justizvollzugsbeamter täglich meistern?

Justizvollzugsdienst heißt viel mehr als nur Zellen auf- und zuschließen! Der Dienst ist vielseitig und verantwortungsbewusst und erstreckt sich auf alle Bereiche des täglichen Umgangs mit den Gefangenen. Wir sind wichtige Ansprechpersonen für die Gefangenen, für deren Sorgen, Nöte auch in persönlichen Angelegenheiten. Wir helfen ihnen aber auch, eine Struktur in den Haftalltag zu bringen, sich gemeinschaftsverträglich und verantwortungsbewusst zu verhalten. Alles Dinge, die ihnen für ein Leben nach dem Gefängnis hilfreich sind.

Und gibt es allgemeine Schwierigkeiten, die sich im Berufsalltag ergeben?

Der Kontakt zu den Gefangenen ist nicht immer problemlos, deshalb verlangt der Beruf vollen Einsatz und die Fähigkeit, sich immer wieder neuen Situationen und Herausforderungen zu stellen. Kein Tag ist wie der andere, man weiß nie was während des Dienstes passiert.

Welche brenzligen Situationen gab es schon?

Ich persönlich hatte während meiner Dienstzeit noch keine brenzligen Situationen.

Was wünscht Du den Entlassenen?

Ich wünsche den Gefangenen ein Leben ohne Straftaten.

Gab es schon mal ein Wiedersehen in Freiheit?

Nein, ich habe noch keinen ehemaligen Gefangenen in Freiheit getroffen.

Was war der schwierigste Moment im Job?

Einen schwierigen Moment hatte ich noch nicht, ich bin allerdings auch erst seit etwas über einem Jahr im Dienst.

Was würdest Du Menschen, die überlegen bei der JVA anzufangen oder vielleicht sogar schon in der Ausbildung sind, gerne mit auf den Weg geben?

Es gibt kaum einen Beruf, über den so viele Gerüchte, Vermutungen und Vorstellungen existieren. Ich würde jedem raten, sich an den richtigen Stellen zu informieren und bei Interesse bewerben. Jedem Anwärter empfehle ich, was mir im Vorfeld die erfahrenen Kollegen geraten haben, nämlich seinen eigenen Weg im Umgang mit den Gefangenen zu finden und keine Kollegen zu kopieren, denn dadurch wird man unglaubwürdig. Meine Bewerbung bei der JVA Kassel 1 gehört mit zu den besten Entscheidungen, die ich im Leben getroffen habe.

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Fotos: Nina Skripietz Fotografie