Ein Tag mit Johannes Alt & Erik Schäfer

Das Glück dieser Erde… liegt in Hopfen und Malz. Jedenfalls, wenn es nach den Jungs der Braumanufaktur Steckenpferd geht. Denn der 29-jährige Erik, der aus Erbach im Odenwald stammt und der 31-jährige gebürtige Nürnberger Johannes haben 2015 in Kassel angefangen ein Bier zu brauen. Der Name „Läuft” ist Programm. Denn das Bier und auch die Braumanufaktur erfreuen sich großer Beliebtheit. Doch wie verbringen die Beiden so ihren Tag und was macht ein gutes Bier aus?

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Erik hat einen Abschluss in Bildender Kunst und war Meisterschüler bei Prof. Johannes Spehr und hat als Zweitstudium Visuelle Kommunikation gewählt. Er liebt gutes Essen, spielt „Magic the Gathering” und hat Netflix fast durchgeschaut. Johannes hat einen Bachelor in erneuerbare Energietechnik an der FH Nordhausen und steckt aktuell noch im Masterstudiengang Erneuerbare Energien und Energieeffizienz an der Uni Kassel. Zwischen den Studiengängen hat er ein Jahr in Italien gearbeitet. In seiner Freizeit läuft, klettert und snowboardet er gerne und hört vorzugsweise Reggae, Hip-Hop sowie Dub.

Was machst Du morgens als erstes, wenn dein Wecker klingelt? Wieviel Uhr ist das?

Erik: Auf Snooze drücken. Mehrfach. Ich hasse früh aufstehen. Die Uhrzeit variiert dabei, je nach Terminlage.

Johannes: Mein Wecker klingelt jeden Tag zu einer anderen Uhrzeit. Zwischen 7.45 und 9.30 Uhr. Beständig dabei ist, dass ich nach dem Aufstehen als erstes Kaffee aufsetze und während der kocht, dusche.

 

Wie lange brauchst Du morgens im Bad?

Erik: 5 Minuten, mit Duschen 15.

Johannes: Nicht besonders lange. Vielleicht 10 Minuten.

 

Was isst Du am liebsten zum Frühstück? Gemütlich am Tisch oder schnell auf dem Weg?

Erik: Direkt nach dem Aufstehen kann ich nicht essen, ist schon immer so. Meistens gibt’s gegen 11 Uhr ein Brötchen oder ne Stulle. Außer am Wochenende, da bin ich großer Fan von Brunchen oder einem deftigen English Breakfast. Es geht nichts über den Geruch von gebratenem Speck nach dem Ausschlafen.

Johannes: Gemütlich am Tisch, Rührei.

 

Wann steht die erste Pause an (Uhrzeit) und was gibt’s zum Mittagessen? Isst Du allein oder mit Kollegen, Freunden?

Erik: Puhhh, da gibt’s keine feste Zeit. Ich arbeite 3 Tage die Woche in der Pressestelle der Uni, meistens von 10-15 Uhr. Wenn, dann geht’s mit Kollegen oder Freunden was essen, ich versuche aber auf das Mensaessen zu verzichten, das liegt so schwer im Magen. Meistens gibt es dann einen kleinen Nachmittagsnack und dann warmes Abendessen.

Johannes: Meistens ist die erste Pause ein belegtes Brötchen. Mittagessen gibt es dann erst gegen 14.30 Uhr und je nachdem wo ich gerade bin mit Freundin/Freunden oder auch mal alleine.

 

Wie viel Zeit am Tag verbringst Du im Internet?

1__Daniel-MünderleinErik und Johannes: Zu viel.

Ein Termin ist ausgefallen: Wie nutzt Du die überraschende Stunde freier Zeit?

Erik: Kommt ganz drauf an, wo ich mich befinde. Wenn ich zu Hause bin, nutze ich die Zeit zum Lesen oder Abschalten und Nachdenken. Wenn ich unterwegs bin zum Flanieren oder für eine Kaffeepause.

Johannes: Im Sommer: Mit einem guten Buch oder einer Zeitung in der Sonne. Im Winter: Eher im Internet.

 

Wie viele Nachrichten (SMS, WhatsApp) verschickst Du im Schnitt täglich?

Erik: Ich zähle das nicht, das Handy ist mein Kommunikations- und Arbeitsmittel.

Johannes: Viele. Das liegt vor allem an den Gruppen im Messenger. Ich versende auch einige Fotos am Tag.

 

Fährst Du alle Strecken mit dem Auto oder trifft man dich auch mal auf der Straße (wenn ja, wo?)

Erik: Ich besitze kein Auto. Ich laufe viel und fahre Tram. Man trifft mich ab und an an der Kunstuni, natürlich bei uns in der Bar & Galerie oder nach Feierabend auch ab und an im Nachtleben.

Johannes: In und um Kassel bin ich oft mit den öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs. Das ist praktisch und man trifft ab und an bekannte Gesichter.

 

Was erledigst Du auf jeden Fall noch, bevor Du ins Bett gehst? Um welche Zeit gehst Du ins Bett?

Erik: Zu viel, ich bin ein Nachtmensch, bei mir verschwimmt Arbeit und Freizeit am Abend oft. Ich bearbeite Grafikprojekte und höre dabei Hörbuch oder überlege mir Konzepte und schaue nebenbei Netflix. Das befruchtet sich dann gegenseitig. Vor 1 Uhr nachts komme ich meistens nicht ins Bett.

Johannes: Meistens wird es bei mir etwas später. E-Mails checken, Zähne putzen und kurz vor dem Einschlafen Nachrichten in der Mediathek sind abends meistens die letzten Dinge.

Braumanufaktur_Steckenpferd_läuft

Der perfekte Tag endet /beginnt für dich mit…?

Erik: Keine To Do’s oder Deadlines zu haben ist schon ziemlich nice. Wie hat Harald Juhnke mal so schön gesagt „keine Termine und leicht einen sitzen“ wobei ich unter der Woche wenig bis keinen Alkohol trinke.

Johannes: Den perfekten Tag kenne ich nicht. Ein ausgiebiges Brunchen ist aber schon mal ein super Anfang.

 

Studio oder Shopping: Wie wichtig sind Sport/Klamotten in deinem Leben?

Erik: Erst McFit dann A7! YOLO! Spaß beiseite! Pumpen ist nicht mein Ding und so einen übertriebenen Körperkult finde ich lächerlich. Dafür steh ich viel zu sehr auf gutes Essen. Eine gut sortierte Garderobe finde ich sehr wichtig, wobei hier Qualität mittlerweile mehr zählt als Quantität.

Johannes: Nicht besonders wichtig. Es ist eher ärgerlich, wenn Kleidung abgetragen ist und ich neue kaufen muss. Zwischendurch ein feiner Zwirn hat aber auch noch nie geschadet.

 

Wo kannst Du entspannen, wenn dich mal alles nervt?

Erik: Wenn mir wirklich alles zu viel wird, fahr ich in meine Heimat den Odenwald, Zeit mit meinen Eltern und (alten und besten) Freunden verbringen. Das ist besser als jeder Urlaub.

Johannes: Beim Laufen. Ich laufe mehrmals die Woche ca. eine Stunde lang. Das finde ich entspannend.

 

Welche Rituale/Ticks hast Du am Tag?

Johannes: Keine Rituale zu haben ist wohl ein Ritual von mir. Wenn man nicht so stark in Alltägliches versinkt und für ein wenig Abwechslung sorgt, ist der Tag meistens schon gut gelaufen.

 

Mit wem würdest Du gern deinen Tag für einen Tag tauschen?

Erik: Oscar Wilde oder Yohji Yamamoto

Johannes: Mit Vladimir Putin oder dem Direktor des NSA. Mich würde brennend interessieren, ob irgendwas an den ganzen Verschwörungstheorien dran ist bzw. was hinter den Kulissen so diskutiert wird.

 

Für was hättest Du gerne mehr Zeit am Tag?

Erik: Kochen

Johannes: Für Freunde und Familie. Ein Tag ist mit 24 Stunden eh etwas zu kurz.

 

Planst Du deinen Tag vorab oder lässt du dich treiben?

Erik: Mal so mal so. Wenn es um Arbeit geht, plane ich schon sehr viel, schreibe Listen und versuche gut mit meiner Zeit zu haushalten. Das überschneidet sich natürlich mit meiner Freizeit – oft verschwimmen da auch die Grenzen. Sollte ich mal wirklich keine Termine oder To Do’s haben, dann versuche ich, nichts zu planen.

Johannes: Kommt drauf an. An Arbeitstagen ist das Planen notwendig. An freien Tagen oder im Urlaub lass ich mich gerne überraschen, was der Tag bringt.

 

Wie bist Du darauf gekommen ein Bier zu brauen?

IMG_0787-Bearbeitet-Daniel-MünderleinErik: Das war zusammen mit Johannes, bei mir in der WG-Küche, quasi eine Schnapsidee. Die Idee wurde dann ziemlich schnell groß, wir wollten uns nicht die Arbeit machen und mehrere Stunden investieren um 10 l bei uns auf dem Herd zu brauen. Also haben wir nach Brauanlagen geschaut, diese waren aber für 10-50 l schon sehr teuer. Also meinte Jo: Lass uns doch selber eine bauen. So fing das an. Wir haben eine Anlage für ca. 140 l gebaut, bevor wir überhaupt brauen konnten. Dann haben wir wie die wilden Bücher gelesen und sehr viel experimentiert. Nach viel positivem Feedback haben wir ein Konzept entwickelt und beim Unikat Ideenwettbewerb der Uni Kassel den 2. Platz gemacht. Das war für uns der Startschuss, danach haben wir die Firma gegründet (Januar 2016).

Johannes: Das Ganze war zu Beginn schon eher eine Schnapsidee. Zwei Gründe haben aber schon eine besondere Rolle gespielt. Als jemand, der ursprünglich aus Nürnberg kommt, habe ich in Kassel die Bierauswahl vermisst. Nicht nur das, auch das ganze Drumherum, das man erleben kann, wenn auf einer Getränkekarte das Bier nicht nur von einer oder zwei Brauereien stammt, sondern vielleicht auch mal von 10 oder mehr. Die Gegebenheiten waren super. In der ehemaligen Metzgerei am Pferdemarkt konnten wir nach und nach alles Nötige aufbauen. Hobbymäßig brauen ja mehr Leute als man denkt Bier. In dem Rahmen, den wir damals hatten, war der Sprung das Ganze gewerblich zu machen eigentlich schon naheliegend.

 

Und was macht für Dich persönlich den Reiz am Bierbrauen aus?

Erik: Spannung, Spiel und Spaß. Es ist Handwerk, es ist kreativ, und es gibt immer direktes Feedback zum Produkt. Wenn die Menschen vor dir stehen und sagen „Wow, das ist lecker“ dann ist das einfach ein gutes Gefühl.

Johannes: Die Neugier daran, sich tiefer in das Thema einzuarbeiten. Eine eigene Brauanlage weiterzuentwickeln, zu verbessern und selbst die Möglichkeit, zu haben Biere herzustellen, die man in den Kaufhausregalen vergeblich sucht.

 

Die Deutschen trinken immer weniger Bier. Sind exotische Biere deshalb die Zukunft?

Erik: Was sind denn exotische Biere? Für die meisten Deutschen sind belgische Biere ja schon exotisch, obwohl die eine sehr lange Tradition haben und vor allem auch sehr gut schmecken.

Johannes: Bei über 100 Litern pro Kopf und Jahr wird, finde ich, immer noch genug Bier getrunken. Der rückläufige Trend ist aber Fakt und die Ursache liegt sicher darin, dass so viel Bier so gleich schmeckt und keine besondere Qualität angeboten wird. Dafür spricht auch, dass obwohl immer weniger Bier getrunken wird, die Zahl der Brauereien in Deutschland wächst. Ob exotische Biere oder neu interpretierte alte Rezepte – Hauptsache weg vom Einheitsgeschmack.

 

Ist das gute, alte Reinheitsgebot überhaupt noch zeitgemäß?

Erik: Die Deutschen sind einfach ein wenig engstirnig und bilden sich zu viel auf das Reinheitsgebot ein. Das bremst bzw. verbindet die Weiterentwicklung. Man muss das Reinheitsgebot ja nichtmal brechen, um gutes Bier zu brauen. Nur ein wenig über den Tellerrand schauen, und mehr als langweiliges Pils brauen.

Johannes: Leider nein. Das Reinheitsgebot führt Verbraucher eher in die Irre und hat nicht viel mit der romantischen Vorstellung von Hopfen, Malz und Wasser zu tun.

Die Braumanufaktur Steckenpferd befindet sich „Am Pferdemarkt“ in Kassel. Eine Gegend, die nicht gerade als Ausgehszene bekannt ist. Warum gerade dort?

Erik: Ich sehen uns da als Pioniere, wir wollen den Pferdemarkt wieder auf die Karte setzten. Das ist unser Quartier, wir wohnen 3 Häuser von der Brauerei entfernt. Das Viertel ist sehr schön, liegt zentral und war früher, als es die Kurt-Schumacher-Straße noch nicht gab, zusammen mit dem Entenanger das Kneipen- und Arbeiterviertel. Ich sehe da massives Potential. Egal, ob für Gastro- oder kulturelle Sachen. Vor allem, wenn die Studentenzahlen noch weiter steigen.

Johannes: Wir haben hier gestartet und wir wollen hier bleiben. Die ganze Gegend ist schön und ziemlich zentral. Umso verwunderlicher, dass eher wenige Lokale und Betriebe hier ansässig sind. Unser Laden ist mitten in der ehemaligen Altstadt Kassels, von der ein Großteil zerstört wurde. Handwerker und Gastronomen waren früher an jedem Eck. Wir fänden es schön, wenn hier am Pferdemarkt wieder etwas mehr Angebot aufkommt, nicht zuletzt, weil wir selbst in der Gegend wohnen.

 

Was für ein Bier ist denn Dein Lieblingsbier (Sorte und Marke)?

Erik: Das Karmelit Tripel, ein belgisches Bier, hat mir vor ein paar Jahren quasi die Augen geöffnet. Danach hab ich mich gefühlt durch das halbe Brüsseler Biersortiment probiert. Allerdings habe ich kein Lieblingsbier, dafür gibt es zu viele gute Brauereien und zu viele verschiedene Bierstile.

Johannes: Schwierig, sich da festzulegen. Eines meiner Liebsten ist auf jeden Fall das Drachenseidla von Schübel Bräu.

Beschreib bitte das „Läuft“ Bier in drei Worten.

Erik und Johannes: Fruchtig, süffig, lecker!

 

Sind in naher Zukunft weitere Sorten geplant?

Erik: Auf jeden Fall! Wann und was wird aber noch nicht verraten.

Johannes: Ja. Bei uns im Laden wird es immer wieder neue Biere in kleiner Auflage geben. Mehr wird noch nicht verraten.