Sport: Klettern und Bouldern

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Jedes Kind klettert gern herum. Und das Klettern an sich auch eine Sportart ist, das ist sicher auch allgemein bekannt. Aber dann ist da noch „Bouldern”, das hat man eventuell auch mal gehört. Aber wo genau liegt der Unterschied? Und was macht wo und was nicht? Wir haben uns mit diesen beiden Sportvarianten mal genauer angesehen.

Klettern ist im Vergleich zum Bouldern mehr auf lange Routen und somit auch mehr auf Kondition ausgerichtet. Vor allem in der freien Natur können Kletterrouten sehr lang werden. In Kletterhallen wiederum sind kurze und lange Strecken vorhanden und sie sind deutlich erkennbar in verschiedenen Schwierigkeitsstufen angelegt und markiert. Klettern kann natürlich, wie Bouldern auch, sowohl Indoor als auch Outdoor betrieben werden. Vom Prinzip her ist es aber genau genommen so, dass man eigentlich drei Varianten des Kletterns unterscheiden müsste: Lead, Speed und Bouldern.

Drei Varianten eines sehr spannenden Sports

Durch Eigenschaften wie Kraft, Athletik, Ästhetik, Körperbeherrschung und Energie hat das Klettern in den letzten Jahren ständig an Beliebtheit bei allen Alters- und Zielgruppen gewonnen: Das Spektrum reicht dabei vom Gesundheits- und Freizeitsport bis hin zum Klettern als Wettkampfsport. Dabei stellen drei Disziplinen im Wettkampfklettern jeweils unterschiedliche Anforderungen an die Athleten: Lead, Speed und Bouldern.

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Lead

Das ist die wahrscheinlich bekannteste Disziplin des Kletterns und seit mehr als zwanzig Jahren als Wettkampfsportart etabliert. Geklettert wird mit Seil nach den Anfängen am „echten Fels” in den achtziger Jahren mittlerweile ausschließlich an ca. 10-20 Meter hohen Kunstwänden, wobei vor allem Kraft, Ausdauer sowie technische und taktische Finesse gefragt sind. Ziel beim Lead ist es, eine Route innerhalb eines festen Zeitlimits möglichst sturzfrei zu meistern, bzw. in dieser Route möglichst höher als die Konkurrenten zu klettern. Dabei muss der Kletterer im sogenannten Vorstieg alle Zwischensicherungen selbst einhängen. Diese Art von Klettern ist auch Anfängern offen. Man kann sie zum Beispiel in Kletterhallen – unter anderem des Deutschen Alpenvereins (DAV) – ausüben und auch ohne große Vorkenntnisse mal reinschnuppern. Dafür stehen entsprechende Trainer den Neugierigen zur Seite.

Speed

Beim Speedklettern ist der Name Programm: die Geschwindigkeit entscheidet über den Sieg. Dabei sind vor allem Schnell- und Maximalkraft sowie hohe Greif- und Trittpräzision trotz höchster Geschwindigkeit gefragt. Im Zuge eines Wettkampfes über mehrere K.O.-Runden, bei denen die Kletterer jeweils gegeneinander antreten, entscheidet auch die Schnellkraftausdauer über hop oder top. In Deutschland hat Speedklettern noch keine so lange Tradition wie in Russland und Osteuropa, ist jedoch in den letzten Jahren kontinuierlich auf dem Vormarsch. Mittlerweile gibt es eine standardisierte Speedwand mit einer festen Abfolge von Griffen, an der nun auch Weltrekorde möglich sind. Die Kletterer müssen am Ende der Route einen Buzzer betätigen, der die Zeit anhält. Gesichert wird beim Speed mit Seilsicherung von oben.

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Bouldern

Bouldern bedeutet Klettern in Absprunghöhe ohne Seil, wobei Weichbodenmatten einen eventuellen Sturz abfangen. Beim Bouldern geht es um das  Bewältigen möglichst schwerer Einzelzüge oder Bewegungsabläufen. Dabei ist Schwierigkeit beim Bouldern schon lange nicht mehr gleichbedeutend mit möglichst kleinen Griffen: Wer bei Boulderwettkämpfen vorne mit dabei sein will, braucht neben einem hohen Maß an Athletik auch eine sehr gute Beweglichkeit sowie ein ausgeprägtes Koordinationsvermögen. Durch seine spektakulären Bewegungen, viel Action in kurzer Zeit sowie den zuschauerfreundlichen Wettkampfmodus hat sich das Wettkampfbouldern in den letzten Jahren zunehmend zu einem Zuschauermagneten entwickelt. Bouldern ist oftmals auf kurze aber dafür knackige und schwierige Routen ausgelegt. Hier werden Improvisation und Maximalkraft trainiert. Boulderprobleme sind oftmals nicht nur vertikal, sondern auch horizontal als Traverse aufgebaut und können – je nach Route – nur wenige Züge lang sein. Im Vergleich zum Klettern befinden sich die meisten Boulderrouten im Überhang oder sogar im Dach, um so in kürzester Zeit ein Maximum an Kraft und Technik zu beanspruchen. Wer jetzt also meint, das Bouldern wäre eigentlich nur das Training für das Kletern, der irrt eben gewaltig. Es ist eine inzwischen eigenständige Disziplin und kann ebenfalls in vielen DAV-Kletterhallen ausprobiert werden.

Fitnessfaktor

Bouldern und Klettern sind Sportarten mit einem äußerst hohen Fitness-Nutzen. Der gesamte Körper wird beansprucht: Vor allem Arme und Rücken werden trainiert sowie die Rumpfmuskulatur – also die Muskeln, die Rückenschmerzen vermeiden helfen und für die Gesamtfitness unverzichtbar sind. Aber auch „Sekundär“-Fähigkeiten wie Koordination, Gleichgewichtssinn und mentale Stärke sind gefordert und werden durch regelmäßiges Klettern verbessert. Ein starker Bizeps allein hilft also nur begrenzt.

Ausrüstung fürs Bouldern und Klettern: was brauche ich?

IMG_9168Wer mit dem Bouldern anfängt, braucht erst einmal Kletter-Schuhe. Und vielleicht ein Chalkbag, also einen Beutel fürs Magnesium. Das „Chalk“ (englisch für Kreide) genannte weiße Magnesium-Pulver reduziert den Handschweiß, was wiederum hilft, ungewolltes Abrutschen von den Griffen zu vermeiden. Für den Anfang lässt sich die nötige Ausrüstung in einer Kletter- oder Boulderhalle ausleihen. Die ideale Kleidung beim Bouldern und Klettern ist Sportkleidung. Sie sollte Bewegungsfreiheit lassen, allerdings nicht zu weit sein, damit man nicht ungewollt in den Klettergriffen hängen bleibt und auch noch ausreichend Sichtfreiheit auf die eigenen Füße hat. Sinnvoll sind ärmellose Oberteile, die rutschen beim Weitergreifen zum nächsten Griff nicht immer hoch.


Wir trafen im Kletterzentrum Nordhessen auf David und
Jakob aus Kassel und haben beide zu unserem Thema interviewt:

BRAUSER: Wie bist Du zum Bouldern/Klettern gekommen?

David Umbach, 27 aus Kassel, Klettertrainer

David Umbach, 27 aus Kassel,
Klettertrainer

David: Zuerst kam das Klettern, weil vor 20 Jahren Bouldern noch nicht so populär war in Deutschland. Auslöser an sich war mein Vater, denn der kletterte auch schon lange. Wir sind eher so ne Kletterfamilie.

BRAUSER: Übst Du den Sport lieber Indoor oder Outdooraus?

David: Ich bin eher für die Outdoorvariante. Aber da das Wetter ja nicht immer so mitspielt und auch zu Trainingszwecken klettere ich dann natürlich Indoor. Außerdem sind beim Indoor-Klettern natürlich auch andere Sportler in der Halle anzutreffen und es werden auch interessante Kurse angeboten.

BRAUSER: Welche Kenntnisse außer den sportlichen Fähigkeiten muss man noch haben?

David: Beim Bouldern ist das Thema Sicherungstechnik nicht ganz so ausgeprägt, aber beim Klettern muss man schon einen Sicherungskurs absolvieren.

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Jakob seese, 16, FOS-Schüler

BRAUSER: Will jeder Kletterer nicht auch mal in eine echte Naturwand?

Jakob: Ja klar. Ich bin oft schon draussen unterwegs gewesen. Hier in der Region ist da natürlich der Scharfenstein top. Nach Patagionien würde ich gern mal reisen. Zum Klettern natürlich. Aber im kommenden Jahr wird im Kletterzentrum die Boulderfläche doppelt so groß sein, darauf freue ich mich auch!

BRAUSER: Was empfiehlst Du Einsteigern?

Jakob: Als erstes empfehle ich einen Einsteigerkurs. Der bietet einen Einblick in das Thema und natürlich auch schon viel Informationen rund um Sicherung und Material.

BRAUSER: Checkt man seine Umwelt ständig unterbewusst auf Kletterfähigkeit (so wie ein Parcours-Sportler)?

Jakob: In der Stadt nicht so (lacht), aber in der Natur auf jedenfall. Da schaut man gleich nach einer „Linie“. Also wo und wie man in die Wand hineisteigt.

 

DAV Kletterzentrum Nordhessen

Johanna-Waescher-Str. 4, Kassel
Telefon: 0561-2078807
E-mail: kurse@kletterzentrum-nordhessen.de

Montag, Mittwoch, Freitag:14 – 23 Uhr

Dienstag, Donnerstag, Samstag, Sonntag:
10-  23 Uhr (Feiertags wie Wochentags)