Der Vordere Westen in Kassel: Quartier mit Charme

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Im Herzen der Stadt Kassel befindet sich der Vordere Westen. Mit seinen rund zwei Quadratkilometern einer der kleineren Stadtteile, aber unglaublich lebendig mit seiner Kneipen- und Clubszene und charmant mit seinen Jugendstilfassaden. Häufig war der Stadtteil schon Kulisse für Kinofilme wie „Tödliches Vertrauen“, was neben den schönen Gebäuden auch an den vielen Grünflächen und der Goethe-Anlage liegt. Exklusive Eindrücke und viele Insidertipps des Viertels gibt es diesem Monat von euren BRAUSER-Redakteuren.

Der Vordere Westen gehört zu den Teilen der Stadt, die relativ wenig zerbombt wurden und somit ein Großteil der schönen Altbauten erhalten werden konnte. Das Viertel erstreckt sich vom _8158279Ständeplatz bis zur Ecke Querallee und viele wichtige öffentliche Einrichtungen wie das Kongress Palais (Stadthalle), die Friedenskirche oder das Bundessozialgericht befinden sich dort. Leider gehören die Mietpreise der teilweise fünfstöckigen Gebäude eher zu den höheren Kategorien. Auch kulturell betrachtet hat der Stadtteil einiges zu bieten: Neben dem Filmladen und dem Kasseler Figurentheater finden Fußgänger alles Wichtige in nächster Nähe. Aber auch die Infrastruktur und die Anbindung an Bus und Bahn sind spitzenmäßig.
Auf der Friedrich-Ebert-Straße, der Goethe-Straße und dem Bebelplatz findet man viele Märkte, süße Läden und sonstige Dienstleistungen für bald jeden Bedarf. Von Fitnessstudios über Boutiquen bis hin zu Wellness werden alle Wünsche der Kunden erfüllt.

Individueller Charme

Einen Abstecher zum Shoppen sollte man auch in die Friedrich-Ebert-Straße 70 unternehmen. Denn dort befindet sich Stey Interior, dass für Liebhaber schöner Wohnaccessoires ein Mekka an Möbelstücken und besonderen Geschenkideen auf 90       Quadratmetern bereit hält. Der gerlernte Raumausstatter und Inhaber Markus Zenker bietet seinen Kunden einen Kurztrip nach Skandinavien im Herzen Kassels an. Denn das Ladengeschäft hat sich neben kleineren Labels aus Deutschland vorrangig auf skandinavische Hersteller spezialisiert, die Möbel, Geschirr und Accessoires von geradezu bezaubernder Leichtigkeit präsentieren. Hier findet jeder genau das Richtige für ein liebevoll eingerichtetes Zuhause. Klar, hell und wohnlich, dabei weder stereotyp noch charakterlos: Nordische Hersteller wie House Doctor, Bloomingville, Normann Copenhagen, HAY, Design Letters, Kay Bojesen, Sandqvist und ferm living haben einen Blick für das Ungewöhnliche im Einfachen. Stey Interior ist schlicht einzigartig und in entspannter Atmosphäre kann man hier immer wieder neue Wohninspirationen zu erschwinglichen Preisen erwerben.

Quartier im Wandel

Der Vordere Westen besticht durch eine einzigartige Atmosphäre, die durch die Neugestaltung der Feiermeile „Friedrich-Ebert-Straße“ noch bestärkt wurde. Der neue Boulevard sowie die Goethe-Straße und die Germaniastraße, die bereits seit geraumer Zeit in einem neuen Gesicht erstrahlen, sind geprägt von breiten Gehwegen und einer Straßenführung, die eindeutig und klar aufgebaut ist. Somit lässt sich viel Positives im Hinblick auf die Ergebnisse feststellen. Nicht nur die Anwohner sind mit der Neugestaltung zufrieden, auch die Auszeichnung mit dem Städtebaupreis spricht für das neue Erscheinungsbild der Straßen.

Natur pur

_8158283All diejenigen, die gerne etwas Zeit an der frischen Luft verbringen möchten, können dies in vollem Ausmaße in der Goethe-Anlage tun. Sie ist die größte Grünfläche des Stadtteils. Viele Studenten sitzen dort im Frühling, Sommer und Herbst auf Picknickdecken, um die wärmeren Temperaturen und schönen Sonnenstrahlen zu genießen und sich vom Uni-Alltag abzulenken. Auch viele Familien treffen sich dort, um den nahegelegenen Spielplatz zu nutzen, denn er ist durch seine Größe und Vielfalt ein wahres Kinderparadies. Es gibt außer der Grünfläche der Goethe-Anlage noch weitere grüne Plätzchen mit der kleinen Insel in der Pestalozzistraße, dem Aschrottpark, dem Stadthallengarten, dem Bebelplatz und der Samuel-Beckett-Anlage. Zu bewundern ist außerdem der Gemeinschaftsgarten am Huttenplatz, der mit viel Aufwand und Hingabe zu einem schönen Plätzchen verwandelt wurde. Initiiert von der documenta-Künstlergruppe And And And haben Anwohner-/Innen und Garteninteressierte, unterstützt durch Studierende der Universität Kassel/Witzenhausen zur Documenta (13) am Huttenplatz eine ungenutzte Rasenfläche in einen lebendigen Stadtgarten umgewandelt. Gemüsebeete und Blumenwiesen, Insektenhotel und Wurmkiste, Weidenkriechtunnel und Bohnentipi, Strick-Graffiti und andere kleine Kunstobjekte – in dem Stadtgarten gibt es jede Menge zu entdecken, und das macht seinen besonderen Charme aus. So geht Natur in der Stadt! Sichtbar, riechbar, begreifbar und essbar für alle.

Kunst des Stadtteils

_8158228Im Vorderen Westen gibt es zahlreiche Kunstwerke im öffentlichen Raum. Neben etwa 20 Standorten von „Beuys-Bäumen“ (7000 Eichen) im Stadtteil sind etliche Skulpturen, Denkmäler und künstlerische Objekte zu finden. Insgesamt befinden sich stolze 277 Kulturdenkmäler im Vorderen Westen.
Neben der Heinrich-Schütz-Schule befindet sich das zur Documenta 6 von Anatol Herzfeld geschaffene Traumboot „Tante Olga“, das wie ein gefaltetes Papierboot aussieht. Auch der Berliner Bär neben der Berliner Brücke erinnert immer wieder an die deutsche Hauptstadt. Viele weitere Denkmäler zieren den Kasseler Stadtteil, wie zum Beispiel das Bose-Denkmal in der Luisenstraße, die Rossebändiger vor dem Bundessozialgericht und Der Stuhl auf dem Karl-Marx-Platz. Daneben sind natürlich an den Gebäuden viele architekturgebundene Arbeiten zu finden. Auch das „märchenhafte“, das ganz klar immer mit der Stadt Kassel in Verbindung gebracht wird, spiegelt sich im Vorderen Westen als Grimmsche Insel in Form von Aschenputtel wieder. Mit seinen Straßen, Plätzen und dem Stadtbild des Stadtteils, ist der Vordere Westen als gesamtes Kulturdenkmal eingestuft.

Musik, Kunst und Kultur

Musiker, Maler und Theatergruppen leben und arbeiten in dem Quartier. Zahlreiche kreative Events wie Literaturlesungen und Filmpräsentationen haben dort ihr Zuhause und die Veranstalter öffnen regelmäßig ihre Türen, um zu Besuchen oder Gesprächen einzuladen und ihre Werke zu präsentieren.
Der Arbeitskreis für Kunst- und Kulturschaffende im Vorderen Westen ist der Gastgeber. Abgerundet wird das Bild des lebensfrohen Viertels durch ein großes Angebot an Restaurants, Szene-Kneipen wie „Joe’s Garage“, „Irish Pub“ oder „Hot Legs“, vielen Gaststätten, Diskotheken wie dem „Club22“ und dem Programmkino „Filmladen“. Im Irish Pub könnt ihr in irischer Atmosphäre landestypische Biere trinken oder bei den wöchentlichen Veranstaltungen wie der Karaoke-Party laut die Bühne rocken oder leise mitträllern, oder beim Pub-Quiz euer Wissen unter Beweis stellen. Joe’s Garage ist eine weitere Kasseler Institution, die seit fast 25 Jahren ein bunt gemischtes Publikum sein Eigen nennen darf. Kasseler, Kasseläner und Kasselaner treffen sich dort zum Feierabendbierchen, Abrocken oder Fußballschauen. Auch im Sommer ist die Garage ein beliebtes Ausgehziel und ist stets „the place to be“ während der Fußball-Welt- und Europameisterschaft zum Public Viewing. Auch der Bebelplatz ist ein begnadeter Treffpunkt zum gemütlichen Kaffeetrinken oder zum stöbern in den Läden rund um den Bebelplatz. Es gibt noch viele weitere Möglichkeiten, um am Leben des Zentrums des Stadtteils teilhaben zu können. Ob Einkaufen im Biomarkt oder sich einen Döner genehmigen, der Bebelplatz eignet sich perfekt für kleine Besorgungen oder als gemütlicher Treffpunkt.

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Einfach Kult auf der Meile

Für alle Nachtschwärmer und Schlaflosen ist das FES in der Karthäuserstraße 17 die Anlaufstelle überhaupt. An jedem Tag in der Woche trifft sich hier ein bunt gemischtes Publikum ab 20 Uhr, um gemeinsam den Abend zu verbringen. Je nach Lust und Laune kann man im FES ganz entspannt bis halb vier morgens verweilen und altbekannte Klassiker bis hin zu einer großen Auswahl der neusten Trends am Cocktail-Himmel genießen. Im Billard-Raum kann man spielerisch den Alltagsstress hinter sich lassen und auch mal ein Zigarette rauchen, denn er dient gleichzeitig als Raucherraum. Hier, wie auch in der Bar, begegnet einem das unverwechselbare FES-Flair, das das Team und die Musik mit Leben füllt. Dazu gibt es handverlesene Musik, die sich zwischen den Bereichen Black Music, Elektronik und Crossover bewegt und alles andere als dem Mainstream zuzuordnen ist. Gutes Wetter oder warme Sommernächte eignen sich perfekt, um diese mit dem passenden Drink in der Hand auf der Außenterrasse ausklingen zu lassen. Zudem gibt es monatlich viele neue Specials und Angebote! Besonders Liebhaber von Gin kommen hier voll auf ihre Kosten. Der Tipp überhaupt: Der kultige Zitronenschnaps, genannt „Saurer“, wird immer wieder gerne getrunken und wird wie alle Getränke jeden Abend frisch zubereitet. Schaut vorbei! Das freundliche Personal legt sich jeden Abend für euch richtig ins Zeug, damit der Besuch im FES einmalig wird.

_8158293Bauen und Wohnen

Die Wohnungsgesellschaft GWH plant, ein Hochhaus in der Westendstraße zu errichten. Dazu soll die Fläche der „Grünen Banane“ zwischen der Apotheke und den Geschäften nebenan genutzt werden. Die städtebäuliche Situation soll verbessert und die Freiflächen zum Bauen genutzt werden.
Zusammen mit der Stadt Kassel beauftragten sie Architekten, den Entwurf des Gebäudes zu entwickeln. Überzeugen konnten sie mit dem Entwurf eines fünfgeschossigen Mehrfamilienhauses. Außerdem soll der Stadtplatz Annastraße gebaut, der Spielplatz verlegt und neue Fußgängerwege auf der Grünen Banane gebaut werden. Diese Projekte sollen die Freifläche optisch aufwerten. Die voraussichtlichen Kosten für das Hochaus liegen etwa bei sechs Millionen Euro.

Vielfältig und spannend

Die interessante und bunte Mischung aus zentralem Wohnen in Altbauten, viel Grün und die Nähe zu vielen Cafés, Restaurants, Kneipen und Bars im Vorderen Westen sprechen ganz klar für den Stadtteil. Auch die Vielfältigkeit und die stets verbesserte Barrierefreiheit sind sehr positiv.

Die BRAUSER-Redaktion empfiehlt: Einfach mal die Friedrich-Ebert-Straße in Richtung Bebelplatz entlanglaufen und genauer hinschauen, welche kleinen Schätze in Form von Secondhand-Läden, Kasseler Urgesteinen und inhabergeführten Geschäfte sich dort verstecken.

Bilder: Holger Bernhofen