Ein Tag mit Benjamin Koch

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Am 11. Dezember 1981 in Kassel geboren, machte der jetzt 34-Jährige nach der Schule eine Ausbildung zum Fleischer. Anschließend hängte er noch eine Ausbildung zum Bürokaufmann dran. Nachdem Benjamin ein paar Jahre im Familienbetrieb der Landfleischerei Koch in Calden gearbeitet hatte, zog es ihn erst mal in die Großstadt. Drei Jahre lang lebte er in Berlin und studierte dort Modemanagement. Dabei geblieben ist er aber nicht. Zurück in der Heimat leitet er nun seit fast drei Jahren gemeinsam mit seiner Schwester die Landfleischerei und kann sich keinen cooleren und abwechslungsreicheren Beruf vorstellen. Benjamin interessiert sich für Sport, Mode und natürlich gutes Essen.

Was machst du morgens als erstes, wenn dein Wecker klingelt? Wie viel Uhr ist es dann?

Mein Wecker klingelt um 5 Uhr. Dann mache ich das, was jeder macht: Duschen, Zähne putzen…

Wie lange brauchst du morgens im Bad?

20 min.

Was isst du am liebsten zum Frühstück? Gemütlich am Tisch oder schnell auf dem Weg?

Ich esse natürlich sehr gerne Wurst und Schinken, aber wie viele Metzger mag ich zur Abwechslung auch mal gern Süßes.

Wann steht die erste Pause an (Uhrzeit) und was gibt’s zum Mittagessen? Isst du all­­ein oder mit Kollegen, Freunden?

Ich frühstücke um 9 Uhr zusammen mit meinen Kollegen. Mittags esse ich gemeinsam mit meiner Familie unser Tagesgericht.

Wie viel Zeit am Tag verbringst du im Internet?

Jede freie Minute. Mit meinem Smartphone bin ich ständig online.

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Ein Termin ist ausgefallen: Wie nutzt du die überraschende Stunde freier Zeit?

Dann erledige ich die nächste anstehende Aufgabe. Bei uns gibt es immer viel zu tun.

Wie viele Nachrichten (SMS, WhatsApp) verschickst du im Schnitt täglich?

Das kommt darauf an, was ich so vor habe. Es können schon mal mehrere Dutzend oder Hundert sein.

Fährst du alle Strecken mit dem Auto oder trifft man dich auch mal auf der Straße (wenn ja, wo?)

Von Calden aus nimmt man schon eher das Auto, um nach Kassel oder so zu fahren. In Kassel bin ich aber auch gerne zu Fuß unterwegs, z. B. im Vorderen Westen oder in der Aue.

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Was erledigst du auf jeden Fall noch, bevor du ins Bett gehst? Um welche Zeit gehst Du ins Bett?

Ich überprüfe, ob alle Maschinen in der Fleischerei für den nächsten Produktionstag bereit sind, und mache noch einen Kontrollgang über unseren „Wurstehimmel“. Dann gehe ich um 10 Uhr schlafen, weil ich früh aufstehe.

Der perfekte Tag endet/beginnt für dich mit…?

Einem leckeren Essen und guter Musik.

Studio oder Shopping: Wie wichtig sind Sport/Klamotten in deinem Leben?

Mir ist beides sehr wichtig. Ich gehe regelmäßig ins Fitnessstudio und interessiere mich schon immer sehr für Mode. Ich denke, dass beides vereinbar ist. Ich trage z. B. gerne Kleidung, die aus Designerkollektionen für Sportmarken stammen. Ein sportliches Aussehen kann sehr gut zu Fashion passen.

Wo kannst du entspannen, wenn dich mal alles nervt?

Beim Sport.

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Welche Rituale/Ticks hast du am Tag?

Keine regelmäßigen oder zumindest keine bewussten. Aber wenn Borussia Dortmund spielt, trage ich schon mal mein Trikot unter der Arbeitskleidung.

Mit wem würdest du gern deinen Tag für einen Tag tauschen?

Mit Justin Bieber.

Für was hättest du gerne mehr Zeit am Tag?

Für meine Freunde.

Planst du deinen Tag vorab oder lässt du dich treiben?

Bei der Arbeit muss schon alles nach Plan verlaufen, damit das Zusammenwirken im Team richtig funktioniert, die Wurst gelingt und der Kunde zufrieden ist. Am Wochenende gammele ich natürlich auch gerne mal vor mich hin.

Bei der Metzgerei Koch arbeitest du als Metzgermeister inzwischen in der 5. Generation. Ist es heute schwieriger Metzger zu sein als vor 100 bzw. 50 Jahren?

Absolut nicht. Ich denke, dass es heute sehr viel lockerer und offener zugeht. Gerade als junger Meister hatte man es damals bestimmt schwerer. Außerdem erleichtern heute moderne Maschinen die körperliche Arbeit erheblich.

Gab es eigentlich eine andere Option, als in den elterlichen Betrieb einzusteigen?

Ich habe mehrere Jahre in Berlin gelebt und dort Modemanagement studiert. Nebenbei habe ich für eine PR-Agentur und einen Modeblog gearbeitet. Irgendwann hatte ich dann aber doch mehr Lust, in meine Kasseler Heimat zurückzukehren und gemeinsam mit meiner Schwester unser Traditionsunternehmen zu leiten.

Wie viele Tiere hast du in deinem Leben schon geschlachtet?

So etwas zählt man nicht. Wichtig ist, dass die Tiere gut behandelt werden. Schlachten gehört nun mal zur Produktion von Wurst und Fleisch dazu.

Kannst du nachvollziehen, wenn Leute deinen Job furchtbar finden?

Diese Erfahrung mache ich selten. Im Gegenteil, die meisten Leute finden meinen Beruf sehr interessant. Und wenn es doch mal einen negativen Kommentar gibt, nehme ich diesen Leuten sofort den Wind aus den Segeln, wenn ich ihnen erkläre wie cool und abwechslungsreich mein Job ist. Meistens kann ich sie dann auch überzeugen.

Was würdest du sagen, sind die größten Probleme in deinem Job?

In den nächsten Jahren wird es für uns schwierig, Nachwuchs zu finden.

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Was sollten Auszubildende im Fleischerhandwerk mitbringen?

Sie sollten motiviert sein und Interesse an der Arbeit mit Lebensmitteln haben. Alles andere kann man lernen.

Was magst du an deinen Job ganz besonders?

Mein Beruf ist sehr vielseitig und bietet Raum für Kreativität. Ich kann eigene Ideen einbringen und verwirklichen. Ich übernehme in unserem Betrieb sehr viele unterschiedliche Aufgaben, sodass es nie langweilig wird.

Gibt es Geschmacksunterschiede zwischen Fleisch und Wurst aus handwerklicher Herstellung und industriell produzierten Fleisch- und Wurstwaren?

Ganz sicher. Wir verwenden nur Naturgewürze, verzichten auf Zusatzstoffe und achten bei der Fleischauswahl auf beste Qualität und Frische. Das schmeckt man einfach. Hinzu kommt, dass man handwerklich hergestellte Produkte mit einem guten Gewissen genießen kann, weil man weiß, dass sie aus regionaler und nachhaltiger Erzeugung stammen.

Woran erkenne ich als Verbraucher gutes Fleisch oder gut produzierte Wurst?

Daran, dass man sie beim Metzger seines Vertrauens kauft. Es gibt da viele Kriterien: Woher kommen die Tiere? Wie sind sie gehalten und gefüttert worden? Wie frisch sind Wurst und Fleisch? Welche Inhaltsstoffe haben sie? etc. Wie gesagt, am Besten lässt man sich beim Metzger beraten.

Worauf kommt es bei einem guten Stück Fleisch an?

Es kommt darauf an, welche Sorte Fleisch man für welche Art der Zubereitung verwenden möchte. Manche Sorten wie z. B. Schwein oder Geflügel sollten so frisch wie möglich sein. Rindfleisch hingegen, welches man als Steak braten möchte, sollte möglichst abgehangen sein. Generell gilt, dass die Herkunft und Art der Verarbeitung zu beachten ist.

Was empfiehlst du für die Grillsaison?

Ich empfehle trocken gereiftes Rindfleisch. Diese sogenannten Dry-Aged-Steaks sind besonders zart und aromatisch. Am besten schmecken sie, wenn sie am Knochen gebraten werden. Meiner Meinung nach erlebt aber auch Schweinefleisch, gerade von besonderen Rassen und in außergewöhnlichen Cuts, ein Revival. Und natürlich ist auch gegen eine klassische grobe Bratwurst nie etwas einzuwenden.