Deutsche Leichtathletik-Meisterschaft im Auestadion

sport_titel

Ein großes Ereignis wirft seine Schatten voraus. Das Sporthighlight des Sommers findet vom 18. bis 19. Juni im Auestadion Kassel statt. Deutschlands Top-Athleten treten bei den 116. Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften an, um für die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro zu kämpfen. Der BRAUSER sprach im Vorfeld mit zwei Topstars der Region. Laura Hottenrott und Jens Nerkamp treten an und werden mit Sicherheit wieder alles geben.

P1000414Ehrlich, spontan, zielstrebig – so würden Freunde die 24-jährige Laura Hottenrott beschreiben. Gerade letztere Eigenschaft lässt sich mit Blick auf ihre Sportkarriere eigentlich ungesehen unterschreiben. Schon im Kindes- und Jugendalter hat sie viele
verschiedene Sportarten gemacht – Ballett, Ju-Jutso, Schwimmen, Skilanglauf, MTB und Leichtathletik. „Die Ausdauersportarten lagen mir am besten und die Leichtathletik und insbesondere der 800m Lauf hat mir am meisten Spaß gemacht. Angefangen habe ich in der Leichtathletik mit Mehrkampf und habe mich dann ab 14 Jahren auf die 800 m bis 2.000 m konzentriert. Mit zunehmendem Alter bin ich dann auch längere Strecken gelaufen.“, erzählt die junge Studentin, die erst neulich wieder von Boston, wo sie ihren Bachelor Abschluss in Biologie machte, in die Heimat zurückkehrte. Auch Jens Nerkamp begann im Jugendalter seine Laufkarriere. Mit 14 Jahren nahm er im Jahr 2003 auf Verlangen seiner damaligen Sportlehrerin am  Schülerlauf des Cloppenburger Citylaufs teil. Er erinnert sich: „Ohne Training konnte ich das Ziel auf Platz vier erreichen. Knapp vor mir waren Athleten, die schon Jahre lang Leichtathletik betrieben. Am Ende wurde ich angesprochen, ob ich nicht Lust hätte am Training des BV Garrel (Heimatverein) teilzunehmen. Von da an war ich dem Laufsport verfallen.“

DER EINFACHSTE SPORT DER WELT

Abdijcross-KerkradeFür den 26-jährigen gebürtigen Niedersachsen, der zum Studieren nach Kassel gekommen ist und als Langstreckenläufer des PSV Grün-Weiß Kassel bei Wettkämpfen antritt, ist ganz klar, was den Reiz dieser Sportart ausmacht. „Laufen ist im Prinzip der einfachste Sport der Welt. Eigentlich sind nur ein gesunder Körper und geeignete Schuhe dazu nötig. Laufen kann man fast überall. Um schnell zu Laufen braucht man einen gesunden Ehrgeiz,  Leidenschaft für die Sache und Talent wäre auch nicht schlecht. Für mich besteht der Reiz darin, seinen eigenen Körper bis an die Grenzen zu bringen und teilweise darüber hinaus. Das Gefühl, wenn man eine persönliche Bestzeit aufstellt oder als Erster über die Ziellinie läuft, ist unbeschreiblich. Das Training eines Läufers kann sehr quälend sein, aber wenn man am Ende sein Ziel erreicht, dann ist es jede Schweißperle wert.“ Laura schätzt die Kombination von körperlicher Leistung und mentaler Leistungsstärke. „Am Wettkampftag muss ich nicht nur konditionell, sondern auch mental topfit sein. Nur dann kann ich mutig ein hohes Tempo Runde für Runde laufen. Wir Mittel- und Langstreckenläufer testen unsere Grenzen jedes Rennen aufs Neue. Es ist ein wahnsinnig tolles Gefühl im Ziel anzukommen und zu wissen, dass man alles gegeben hat.“

STRUKTURIERTES TRAINING

Beide Läufer leben und lieben das Laufen und haben ein hohes Trainingspensum in der Woche. Laura trainiert fast täglich, manchmal auch zwei mal am Tag und neben dem Lauftraining im Stadion, Park und Wald stehen noch Koordinations- und  Stabilisationsübungen auf dem Programm. Außerhalb der Saison trainiert sie andere Ausdauersportarten wie MTB im Sommer und Skilanglauf im Winter. Zusätzlich geht sie auch gern im Freibad schwimmen. Das Training von Jens besteht im Durchschnitt aus neun Einheiten pro Woche. Mal mehr, mal weniger. Dauerläufe verschiedener Geschwindigkeiten, Intervalle auf der Bahn, Krafttraining, Stabilisation, Regeneration. Mit größeren Verletzungen haben beide glücklicherweise noch nicht zu kämpfen gehabt.

 

Jens-Ybekalmikpunkt.waldert

VOLLE KONZENTRATION UND RITUALE

Wenn es auf die Laufbahn geht, sind Laura und Jens hoch konzentriert. „Vor dem Wettkampf konzentriere ich mich am liebsten auf mich selber und spiele das Rennen in Gedanken durch.“, so Laura. „Ich erinnere mich daran, dass ich gut vorbereitet bin und mich bereit fühle, mich mit der Konkurrenz zu messen.“ Jens schaut sich vor einem Wettkampf gerne Videos von anderen Läufern an, die in der Vergangenheit sehr erfolgreich waren. „Weiterhin höre ich gerne Musik, die mich motiviert. ‘Tears Don’t Fall’ von Bullet for My Valentine oder ‘Give It All’ von Rise Against pushen enorm.“ Wenn es dann auf die Laufbahn geht, motiviert er sich gedanklich in  Dauerschleife mit Sätzen wie: Heute ist dein Tag! Du kannst das heute gewinnen, wenn du wirklich willst! Du kannst das. Der Läufer erläutert: „Mentale Stärke ist ein wichtiger Bestandteil. Negative Gedanken blockieren eher.“

RÜCKHALT IST WICHTIG

Wer so viele Wettkämpfe national und international bestreitet, ist auf den Rückhalt der Familie und Freunde angewiesen. „Als Leistungssportler muss man sich oft in Verzicht üben. Geburtstage und andere Feierlichkeiten finden oft ohne mich statt, weil ich einen Wettkampf habe oder ein wichtiger Trainingsblock ansteht. Meine Eltern versuchen bei so vielen Wettkämpfen wie möglich dabei zu sein. Alle, die mir nahe stehen fiebern immer mit mir mit. Ich bin allen sehr dankbar, dass sie mir so einen Rückhalt geben.“, so Jens. Laura kommt aus einer sehr sportlichen Familie. „Mein Vater ist auch mein Trainer und wir haben von klein auf viel Sport gemacht. Meine Eltern und mein Bruder stehen im Sport und Studium voll hinter mir.“

IMG_6604

ABSEITS DER LAUFBAHN

In ihrer Freizeit verbringt Laura viel Zeit mit Freunden, geht gerne Feiern und im Sommer wird gegrillt oder im Freibad gechillt. „Und ich lese viel – nicht nur Romane, sondern auch gerne  wissenschaftliche Studien zur Ernährung und zum Training.“ Jens geht raus in die Natur an Plätze, die er mag. „Gedanken schweifen lassen, die Umgebung genießen, durchatmen und Kraft tanken.“ Für beide sind es die kleinen Dinge im Leben, die zählen und sie glücklich machen. Für Laura sind das Familie, Freunde und Sport. Und Jens ist glücklich, „wenn die Menschen bei mir sind, die ich mag und wenn ich gesund und fröhlich durch den Tag komme. Und Schokolade.“

VORBILDER UND TRÄUME

Shalane Flanagan, die amerikanische Langstreckenläuferin ist Lauras Vorbild. Jens dagegen hat keine direkten Vorbilder. Die sportlichen oder auch privaten Träume sind wohl typisch für die starken Läufer. „An den Olympischen Spielen teilnehmen“, platzt Laura heraus. Jens größter sportlicher Traum, einmal das Nationaltrikot tragen zu dürfen, geht in diesem Sommer bei den Europameisterschaften in Amsterdam schon in Erfüllung. „Dann möchte ich unbedingt noch mal unter 14 Minuten auf 5.000 m und unter 29 Minuten auf 10.000 m laufen. Ansonsten sind es auch wieder die kleinen Dinge im Leben, wie z. B. eine Familie gründen und ein Job, der mir Spaß macht. Und natürlich möchte ich noch ein bisschen von der Welt sehen.“

DIE DEUTSCHE MEISTERSCHAFT IN KASSEL

Der nächste Wettkampf steht für Laura und Jens an. Für die Deutschen Meisterschaften in Kassel hat sich Laura vorgenommen, alles zu geben. „Die Konkurrenz ist dieses Jahr sehr, sehr stark. Trotzdem möchte sie einen Medaillenrang wiederholen, wenn alles optimal läuft. Und gibt es Chancen für eine Qualifikation, um bei Olympia in Rio dabei zu sein? „Über 5.000 m fehlen mir noch ca. 30 Sekunden zur Olympia Norm, das sind ca 180 m von der 5.000 m Strecke. Ganz ausgeschlossen ist das nicht.“, meint Laura zuversichtlich. Der besonnene und ruhige Jens, wie Freunde ihn beschreiben würden, möchte sich natürlich von seiner besten Seite präsentieren. „Einfach das Optimum aus mir rausholen und am Ende sagen können: Ich hab alles gegeben. Was dann am Ende rauskommt, ist Zukunftsmusik.“ Eine Quali für Rio sieht er für sich als utopisch an. „Dafür müsste ich meine Bestzeiten noch deutlich steigern. Ich freue mich riesig über die Teilnahme an der EM in Amsterdam und wer weiß, vielleicht kann ich 2020 ja noch mal ganz oben mitspielen …“

Die BRAUSER-Redaktion und sicherlich auch unsere Leser fiebern mit und wünschen beiden Läufern viel Glück und ein Top-Ergebnis bei der Deutschen Meisterschaft!

 

Laura Hottenrott

14.05.1992 Studentin,
Biologie Bachelor Abschluss in Boston (USA),
Masterstudium ab Herbst 2016 in Deutschland
Erfolge:
2016 Deutsche Vize-Meisterin 10.000 m
2015 3. Platz Deutsche Meisterschaften 5.000 m
Bestzeit 5.000 m: 15:47.28 min.

 

Jens Nerkamp

30.08.1989 Student
Trainer bei einem Gesundheitsmanagementprojekts des Kassel-Marathon bei der Firma Gascade
Erfolge:
EM-Qualifikation im Halbmarathon beim Berliner Halbmarathon in 64:04 min.
Mehrfacher Hessenmeister
regelmäßig unter den TOP10 bei Deutschen
Meisterschaften über 5.000 m, 10.000 m, 10 km Straße Halbmarathon

 

116. Deutsche Meisterschaften 2016

Wann: 18./19. Juni (Samstag ab 10 Uhr/
Sonntag ab 12.30 Uhr)
Wo: Auestadion Kassel
Wer: Deutschlands beste Leichtathleten
Einlass: Samstag, 18. Juni um 9 Uhr/Sonntag,19. Juni um 11 Uhr
Disziplinen: Laufen (Distanz, Hürden, Hindernis), Dreisprung, Hammerwurf, Stabhochsprung, Diskuswurf, Weitsprung, Speerwurf, Hochsprung, Kugelstoßen

Mehr erfahren unter: www.leichtathletik.de