Sport: Baseball

IMG_6711

In den USA ist es der traditionsreichste Mannschaftssport, während er in Deutschland kaum Beachtung findet. Die Rede ist von Baseball. Vielleicht mag das daran liegen, dass die Regeln schwer zu verstehen sind? Jedenfalls ergeht es den meisten Zuschauern so, wenn in amerikanischen Filmen der Sport im Mittelpunkt steht. Da tauchen im Kopf lauter Fragezeichen auf. Um Klarheit in Sachen Regelwerk und Training zu erlangen, sprach der BRAUSER mit drei Spielern des Kasseler Herkules Baseball Club Kassel e.V., den es bereits seit 27 Jahren gibt.

Christopher Hehr, Konrad Sobanski und Mara Geske haben in Baseball einen Sport gefunden, der ihnen, wie Studentin Mara berichtet „einfach Spaß macht“. Für den 28-jährigen Christopher, der als Outfielder (Anm. d. Red.: ein Außenfeldspieler, der lange Flugbälle abfängt, bevor diese auf den Boden auftreffen und alle Bälle aus dem Outfield ins Infield zurückwirft) ist „das Schöne an dieser Sportart die Verbindung aus Bewegung und Geschicklichkeit sowie die Vielfalt der Betätigung wie fangen, werfen, schlagen, rennen. Dabei muss man immer den Überblick über das Spielgeschehen behalten.“ Konrad wird in der Mannschaft als Pitcher (Anm. d. Red.: Werfer) eingesetzt. Für ihn ist es allgemein schwer zu sagen, was den Reiz dieses Sports ausmacht. Nur für sich selbst gesprochen, erklärt er ihn so: „Seitdem ich das erste Mal Baseball gespielt habe, habe ich mich verliebt in dieses Gefühl. Wenn man am Schlag ist oder im Feld steht, dann ist das einfach wunderbar.“

10487425_779570545421550_6366564879785440627_n

Überzeugungstäter

Alle drei sind auf ganz unterschiedliche Arten zum Baseball gekommen. Konrad erlebte in der Grundschule einen Sporttag, bei dem verschiedene Vereine ihren Sport vorgestellt haben. Darunter war Baseball.

Mara hat erst Softball (ein wenig andere Regeln, gelber harter Ball) gespielt. „Dazu haben mich meine damals besten Freundinnen gebracht, da sie einen neuen Sport gesucht haben und so haben wir dann alle gemeinsam etwas angefangen.“ Nach dem Abitur ist sie zum Studieren nach Kassel gezogen und wollte mit dem Sport nicht aufhören und so kam sie zum Baseball.

„Ich wollte mich schon länger sportlich betätigen, habe aber nie das Richtige gefunden. Dann habe ich gehört, dass Kassel eine Baseballmannschaft hat und da habe ich mir gedacht, ich probiere es einfach mal aus. Und bin auch dabei geblieben“, erzählt uns Christopher. Andere Sportarten können den Sozialarbeiter nicht locken. „Ich habe verschiedene Sportarten ausprobiert, habe aber außer Baseball keine gefunden, welche mir zugesagt hat. Früher bin ich viel Skateboard gefahren, hatte dann aber, nachdem meine Freunde damit aufgehört haben, keine Lust gehabt alleine durch die Gegend zu rollern.“

Nur für Männer?

Unbenannt-1Ist Baseball eigentlich ein Männersport? „Nein, definitiv nicht. Wir haben ja auch Frauen im Team“, erzählt Christopher. Die Frau im Team, Mara ergänzt: „Das kann man, finde ich, nicht mit ja oder nein beantworten. Baseball ist im Ligabetrieb  eigentlich schon ein Männersport, Frauen spielen Softball. Aber ich hab das Gefühl, dass der Sport nicht geschlechtspezifisch ist – man kann und darf auch als Frau mittrainieren und spielen.“

Einfach darauf einlassen

Fakt ist, dass Deutschland Baseball so gut wie keine Beachtung schenkt. Das zeigen schon alleine die kaum stattfinden Berichterstattungen in den Medien. „Fußball und Handball sind hier einfach etablierter“, meint Konrad. Auch Christopher denkt, dass das sich nicht ändern wird. „Baseball ist für die meisten hier glaube ich nicht dynamisch genug. So ein Spiel kann sich auch sehr in die Länge ziehen und manchmal scheint auch nicht viel zu passieren. Wenn man sich aber näher mit dem Sport beschäftigt und sich mit den Regeln vertraut macht, dann sind die Duelle zwischen Pitcher und Batter sowie die Bewegungen im Feld, wenn der Ball getroffen wird, schon sehr spannend. Ich glaube Baseball ist ein Sport, auf den man sich einfach einlassen muss, um ihn lieben zu lernen.“

Und wie funktioniert Baseball?

Mara versucht uns die Regeln ganz einfach näher zu bringen und erläutert: „Das Grundprinzip von Baseball ist wie bei Brennball, das Ziel des Teams in der Offensive (am Schlag) ist es, möglichst viele Punkte durch Umrunden der Bases zu schaffen.Das Team in der Defensive (im Feld) versucht dies zu verhindern und möglichst schnell Aus zu erzielen.

Ein Aus ist dann erzielt, wenn der Ball vor einem gegnerischen Spieler an der Base ist oder wenn der Ball direkt aus der Luft gefangen wird. Es gibt je nach Liga 5, 7 oder 9 Innings. Ein Inning ist ein Spielabschnitt in dem beide Teams einmal am Schlag waren. Am Schlag ist es so, dass ein gegnerischer Spieler den Ball so werfen muss, dass er über die Platte und zwischen Knien und Brusthöhe des/der Schlagmanns/-frau entlangfliegt. Gelingt dies ist es ein Strike, wenn nicht ist es ein Ball. Wenn 3 Strikes geworfen werden und der Ball nicht geschlagen wurde ist der/die Schlagmann/frau aus. Werden jedoch 4 Balls geworfen gelangt der/die Schlagmann/-frau auf die erste Base.“

PHG_1285

Ausrüstung und Training

Was eine Ausrüstung eigentlich so kostet, da stimmen Mara und Christopher nicht ganz überein. Es kommt wohl auch darauf an, welchen eigenen Anspruch diese erfüllen soll. Mara meint: „Wirklich viel braucht man nicht, wichtig sind eigentlich nur Schuhe evtl. mit Stollen (Fußballschuhe oder andere Sportschuhe aus dem Sonderangebot oder Fundus sind vollkommen ausreichend) und einen Handschuh (Preisspanne ist groß – ca. 50 Euro).“ Der Outfielder Christopher weiß dazu zu sagen: „Ist recht  unterschiedlich. Es kommt darauf an was man haben will, aber ganz billig ist es nicht. Ich habe für Schuhe, Hose, Intimschutz (ganz wichtig!!!) Trikot, Mütze, Handschuh, Schläger und ein paar Kleinigkeiten ca. 300 Euro ausgegeben. Aber das geht auch günstiger. Das Gute ist, dass man sich nicht alles gleich selber kaufen muss, weil der Verein Handschuhe, Helme und Schläger zu Verfügung stellen kann.“

Das Training auf dem Herkulesfield (Sportgelände Waldauer Wiesen) findet übrigens im Sommer dienstags und donnerstags ab 18 Uhr statt. Das zweistündige Training beginnt immer mit Laufen, Dehnen und Warmwerfen. „Danach kommen Trainingsinhalte wie Fielding-Übungen, Wurf- und Schlagtraining“, berichtet Christopher. „Auf jeden Fall ist es sehr abwechslungsreich“, ergänzt Konrad. Für Interessierte haben die jungen Spieler einen gemeinsamen Tipp: „Einfach mal zu uns ins Training kommen und mittrainieren oder sich ein Spiel anschauen. Da sieht man am besten, ob es einem Spaß macht oder nicht.“

Freizeit, Träume und Glück

Natürlich gibt es für alle Drei noch ein Leben neben dem Baseball. Mara spielt Cello, zeichnet und fotografiert gerne. Ihren Traum, den sie sich unbedingt eines Tages erfüllen möchte, ist das Nordlicht anzuschauen. „Gutes Wetter, leckeres Essen und wenn meine Erwartungen erfüllt oder übertroffen werden machen mich im Leben glücklich.“ Sehr bescheidene Wünsche der Studentin. Auch Konrad ist bei diesen Dingen sehr geerdet. „Ganz ehrlich Baseball spielen und einfach unter Freunden und Familie sein“, ist seine Antwort darauf, was ihn glücklich macht. Christopher reiht sich ein in die Aussagen seiner Mitspieler. „Zeit mit den Menschen zu
verbringen, die mir viel bedeuten. Und natürlich gutes Essen.“ Sein Traum ist es, „alleine für ein oder zwei Monate mit meinem Rucksack und Zelt in ein anderes Land zu fliegen und dort zu wandern.“ „Den Traum werde ich mir auch in den kommenden drei Jahren erfüllen“, ergänzt er.
Mehr zum Team, Trainingszeiten und auch Spielpläne könnt ihr hier erfahren:

www.herkules-baseball-club.de
www.facebook.com/HerkulesBaseball

 

Christopher Hehr Position: Outfield Geburtstag: 17.06.1987 Sozialarbeiter und Student

Christopher Hehr
Position: Outfield
Geburtstag: 17.06.1987
Sozialarbeiter und Student

Konrad Sobanski Position: Pitcher / Outfield Geburtstag: 25.07.1998 Schüler

Konrad Sobanski
Position: Pitcher / Outfield
Geburtstag: 25.07.1998
Schüler

Mara Geske Position: Infield Geburtstag: 14.02.1995 Studentin

Mara Geske
Position: Infield
Geburtstag: 14.02.1995
Studentin

 

 

Die besten Baseball-Filme

• Eine Klasse für sich (1992) – mit Madonna, Tom Hanks und Geena Davis
• Die Bären sind los (1976) – mit Walter Matthau
• Die Indianer von Cleveland (1989) – mit Charlie Sheen
• Hardball (2001) – mit Keanu Reeves
• Moneyball (2011) – mit Brad Pitt
• Back in the Game (2012) – mit Clint Eastwood, Justin Timberlake und John Goodman
• Feld der Träume (1989) – mit Kevin Costner
• Annies Männer (1988) – mit Kevin Costner und Susan Sarandon
• Mr. Baseball (1992) – mit Tom Selleck
• Aus Liebe zum Spiel (1999) – mit Kevin Costner und Kelly Preston
• Die Entscheidung – Eine wahre Geschichte (2002) – mit Dennis Quaid