Ein Tag mit Karim Rajabi

Karim Rajabi (23) kam vor vier Monaten von Afghanistan nach Deutschland und wohnt zur Zeit in der Gemeinschaftsunterkunft in Sontra-Hornel. Vorher lebte er unter anderem in Kabul und studierte Rechts- und Politikwissenschaften bevor er dann den Weg als Fernseh- und Radiojournalist einschlug. Seine Einsätze waren in Kriegsgebieten. Er interviewte für den Radiosender Bayan Shamal und den Fernsehsender Mitira Soldaten, Politiker, Familien, Hinterbliebene – arbeitete direkt an der Front, um die Geschehnisse vor Ort einzufangen. Jetzt will Karim in Deutschland als Journalist Fuß fassen.

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Was machst du morgens als Erstes, wenn dein Wecker klingelt?

Ich stehe auf und springe gleich unter die Dusche.

Was isst du am liebsten zum Frühstück? Gemütlich am Tisch, oder schnell auf dem Weg?

Am liebsten mag ich warmes Essen zum Frühstück – das ist in Afghanistan so üblich. Ich liebe Eier oder auch warme Milch – ganz gemütlich am Tisch natürlich.

Wie lange brauchst du morgens im Bad?

Das kommt darauf an. Aber eine halbe Stunde brauche ich schon bis ich im Bad fertig bin.

Wann steht die erste Pause an und was gibt es zum Mittag? Isst du mit Kollegen oder alleine?

In Afghanistan habe ich meist alleine gegessen. Mein Büro und mein Haus waren nicht weit auseiander. Daher bin ich immer nach Hause gegangen. Manchmal war ich aber auch mit einem Kollegen essen. Reis, Pommes und Rindfleisch standen oft auf meiner Speisekarte.

Wie viel Zeit am Tag verbringst du im Internet?

Ich bin ganz oft im Internet, weil viele Kollegen Reportagen oder Informationen geschickt haben. Deswegen war es wichtig, immer erreichbar zu sein. Jetzt ist das nicht mehr so. Ich benutze Facebook oder WhatsApp, um mit Familie und Freunden in Kontakt zu bleiben.

Ein Termin ist ausgefallen, wie nutzt du die freie Stunde Zeit?

In Afghanistan hatte ich nicht viel freie Zeit – 12342533_1096109813735283_5332324145403236997_nich habe sogar am Wochenende oder an Feiertagen gearbeitet – manchmal 12 bis 14 Stunden am Tag. Aber wenn mal ein Termin ausfällt, dann atme ich tief durch, gehe etwas essen oder trinke in Ruhe einen Kaffee. Oder ich schnappe mir meine Kamera und mache schöne Fotos.

Wie viele Nachrichten verschickst du täglich?

Hier in Deutschland schreibe ich viele Nachrichten über Messenger, weil ich leider nicht so viel zu tun habe. Aber in meiner Heimat hatte ich nicht so viel Zeit, private Nachrichten zu schreiben. Dafür hatte ich beruflich alle Hände voll zu tun.

Fährst du alle Strecken mit dem Auto oder trifft man dich auch mal auf der Straße?

Ich war eigentlich immer mit dem Auto unterwegs, weil die Wege so weit auseinander liegen. Hier benutze ich das Fahrrad oder den Bus – aber das ist zur Zeit auch nicht anders möglich.

Was erledigst du auf jeden Fall noch bevor du ins Bett gehst?

In Afghanistan habe ich mir immer eine To Do-Liste geschrieben am Abend, damit ich gut vorbereitet auf den nächsten Tag war. Oder ich habe ein Buch gelesen. Hier lerne ich abends deutsch und mache Hausaufgaben.

Der perfekte Tag endet /beginnt für dich mit..?

Der perfekte Tag für mich wäre es, mit meiner Familie wieder zusammen sein zu können – am besten in Deutschland, damit wir hier in Sicherheit leben können.

Wo kannst du entspannen, wenn dich mal alles nervt?

Wenn mich mal alles so richtig nervt, dann gehe ich spazieren – raus an die frische Luft, damit der Kopf wieder frei wird.

Welche Rituale / Ticks hast Du am Tag?

Ich muss auf jeden Fall jeden Tag duschen. Ohne zu duschen gehe ich definitiv nicht aus dem Haus.

Mit wem würdest Du gerne Deinen Tag für einen Tag tauschen?

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Ich würde gerne mal einen Tag mit einem Soldaten die Rollen tauschen, um zu sehen wie er arbeitet.

Für was hättest Du gerne mehr Zeit am Tag?

Um mit meinen Freunden zu sprechen und Kaffee zu trinken.

Planst du Deinen Tag vorab oder lässt Du Dich treiben?

Ich plane abends meinen nächsten Tag, aber nur beruflich. Privat lasse ich mich treiben.

Studio oder Shopping: Wie wichtig sind Sport/Klamotten in deinem Leben?

Ich gehe nicht gerne shoppen, aber was muss, das muss. Essen hat mir meist mein Chauffeur gekauft. Sport ist mir allerdings wichtig – ich schwimme zum Beispiel wirklich gerne.