Ein Tag mit Anne Alica Klaffer

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Die in Baunatal lebende Anne Alica wurde am 31. Juli 1988 in Volkmarsen geboren. Nach der Schule fing sie zuerst eine Ausbildung als Zahntechnikerin an, bevor sie eine Woche später ins Konditorgeschäft wechselte und ihre Ausbildung im Jahr 2011 abschloss. Im April 2014 wagte sie den Sprung in die  Selbstständigkeit und eröffnete ihren Laden „Alicas bunte Tortenwelt“ in Baunatal und lässt für viele Brautpaare, Jubilare uvm. ihre persönlichen Tortenträume wahr werden. Bei ihr gibt es keine Standardware, sondern nur Unikate. Anne Alicias Hobby ist ihr Familienglück und ihr Lebensmotto lautet: „Das Wertvollste, was man im Leben besitzen kann, ist Familienglück und Gesundheit“.

Was machst du morgens als Erstes, wenn dein Wecker klingelt? Wie viel Uhr ist es dann?

Mein Wecker klingelt nicht, mein Sohn (Jean Philippe 3 Jahre) ist der süßeste und liebevollste Wecker, den es gibt. Zwischen 7 und 8 Uhr ruft er mich, dann laufe ich im Halbschlaf in die Küche, mache dort seine Milch und krabbel dann zu ihm ins Bett, dort wird dann erst einmal gekuschelt, bevor wir aufstehen.

Wie lange brauchst du morgens im Bad?

Im Bad brache ich mit meinem Sohn 15-20 Min. Als Mutti bleibt mir da nicht viel Zeit. Am Wichtigsten ist mir, dass eine Routine abläuft und dass der Morgen ruhig beginnt, d. h. ich stresse mich nicht… Wenn ich mal 15 Min. nach Ladenöffnungszeit im Laden bin, dann ist es eben so. Dafür bin ich Mutti und selbstständig. Meine  Stammkunden wissen das, die meisten haben dafür auch Verständnis.

et125860Was isst du am liebsten zum Frühstück? Gemütlich am Tisch oder schnell auf dem Weg?

Am liebsten frühstücke ich griechischen Joghurt mit Haferflocken und Obst beim Kuscheln mit meinem Sohn auf dem Sofa, wobei er noch einen Kinderfilm schauen darf. Dazu bleibt jedoch oft nur in der Nebensaison von Oktober bis Ostern Zeit – diese Zeit ist Mama-Sohn-Zeit. In der Hauptsaison geht es oft gleich nach dem Bad los, wenn wir gemeinsam die Kita-Lunch-Box fertig gemacht haben und ich frühstücke auf dem Weg vom Kindergarten an die Arbeit. Dies wird sich jedoch in der nächsten Hauptsaison auch anders gestalten, da ich in Ruhe frühstücken möchte. Stress ist nicht gesund und den versuche ich zu vermeiden.

Wann steht die erste Pause an (Uhrzeit) und was gibt’s zum Mittagessen? Isst du allein oder mit Kollegen, Freunden?

Zum Mittagessen gibt es entweder einen Salat oder ein Vollkornbrötchen, ich esse zwischendurch … da ich immer Hummeln im Hintern habe. Ich habe einfach keine Ruhe, wenn ich weiß, dass noch Arbeit ansteht.

Wie viel Zeit am Tag verbringst du im Internet?

Für Internetaktivitäten bleibt tagsüber keine Zeit. Ich bin meist nur abends online, wenn der Kleine schläft – zwischen 19-21 Uhr.

Ein Termin ist ausgefallen: Wie nutzt du die überraschende Stunde freier Zeit?

Ich habe feste Arbeitszeiten. Mittwoch bis Samstag von 9 bis 12 Uhr für Laufkundschaft, die Bestellungen persönlich aufgeben wollen. Ansonsten arbeite ich von Dienstag bis Samstag von 9 bis 14 Uhr. Im Winter weniger, im Sommer oft bis 18 Uhr und länger. Jede freie Minute verbringe ich mit meinem Mann und meinem Sohn.

Wie viele Nachrichten (SMS, WhatsApp) verschickst du im Schnitt täglich?

Das kann ich gar nicht genau sagen – mal mehr mal weniger, dazu bleibt nicht viel Zeit, da mein Kind an erster Stelle steht und ich nach der Ladenöffnungszeit mein Handy immer auf lautlos schalte und ich erst abends dazu Zeit finde.

Fährst du alle Strecken mit dem Auto oder trifft man dich auch mal auf der Straße (wenn ja, wo?)

Ich fahre nicht.

et125861Was erledigst du auf jeden Fall noch, bevor du ins Bett gehst? Um welche Zeit gehst Du ins Bett?

Wenn ich unseren Kleinen ins Bett gebracht habe, so gegen 18-19 Uhr und er schläft, dann ruft die mütterliche Pflicht (lacht). Ich sorge dafür, dass der Familienhaushalt läuft und nicht im Chaos versinkt. Ordnung ist meinem Mann und mir sehr wichtig. Alles hat seinen festen Platz, wir haben eine geordnete Struktur, welche sich nicht nur in unserem Haushalt widerspiegelt, sondern in unserem ganzen Leben – auch miteinander. Jeder weiß, was er zu tun hat. Wir verstehen uns blind. Ich bringe die Wäsche in den Keller, schmeiße die Waschmaschine an oder lege trockene Wäsche zusammen. Räume die Küche auf, die nach einem Familientag ein leichtes Chaos aufweist, und stelle die Spülmaschine an, welche ich am nächsten Abend wieder ausräume. Ist der Haushalt erledigt, gehe ich oft ins Büro und schaue, ob ich E-Mails bekommen habe. Bearbeite, wenn es notwendig ist meine Homepage oder Sonstiges für den Laden. Sobald alles erledigt ist, ruft der Sport. Wenn ich noch Energie dazu habe, versuche ich regelmässig abends zuhause Sport zu machen, da ich für das Fitnessstudio keine Zeit habe.

Der perfekte Tag endet/beginnt für dich mit…?

Der perfekte Tag beginnt für mich mit einem Kuss von Mann und Sohn und dem Familienkuscheln im Elternbett, er endet mit gemeinsamen Kuscheln auf dem Sofa mit Brötchen in der Hand und Mickey Maus Wunderhaus. Zu guter Letzt liegen wir dann im Kinderbett mit einer Milch und der Gute Nacht Geschichte, die Mama immer vorlesen muss… „Die Waschanlage“ jeden Abend die Gleiche. Die letzten Worte sind dann immer „Mama, kommst du morgen wieder kuscheln?“ Es gibt doch nichts Schöneres.

Studio oder Shopping: Wie wichtig sind Sport/Klamotten in deinem Leben?

Beides steht bei mir seit der Selbstständigkeit etwas hinten an. Klamotten kaufen mache ich oft nur für meinen Sohn. Wie viele Muttis.

Wo kannst du entspannen, wenn dich mal alles nervt?

In den Armen meines Mannes auf dem Sofa beim DVD-Abend.

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Welche Rituale/Ticks hast du am Tag?

Nach der Arbeit gehe ich sofort duschen, da ich den Geruch von Kuchen in den Haaren und auf der Haut nicht leiden kann.
Ich lasse im ganzen Haus überall meine Socken liegen (lacht). Zum Ärgernis meines Mannes, aber ich glaube, er hat sich daran gewöhnt.

Mit wem würdest du gern deinen Tag für einen Tag tauschen?

Mit meinem Sohn Jean Philippe. Noch einmal Kind sein, ohne Verantwortung und Pflicht, die den Alltag beherrschen. Und ich würde gerne wissen, warum er so stolz immer erzählt „meine Mama backt Torten, sie ist die Tortenfee“.

Für was hättest du gerne mehr Zeit am Tag?

Beruf und Familie stehen im Einklang und sind abgestimmt, jedoch kommen unsere Freunde viel zu kurz. Aber ich glaube, so geht es vielen, die arbeiten und Familie haben. Wichtig ist, dass man Verständnis für Andere hat und Verständnis entgegengebracht bekommt. Wir haben tolle Freunde, die hinter uns stehen. Ohne Wenn und Aber!

Planst du deinen Tag vorab oder lässt du dich treiben?

Meine Woche plane ich jeden Sonntagabend, von da an läuft alles routiniert ab.

Wie bist du zum Torten backen gekommen?

Es war einfach Zufall. Ich hatte nach dem Abitur eine Zahntechnikerausbildung angefangen und diese nach einer Woche abgebrochen, da der Betrieb nicht das Richtige für mich war und um keine Leerlaufzeit zu haben habe ich eine Konditorausbildung gemacht. Also einfach nur Zufall, aber ein verdammt guter, da ich damit so glücklich bin. Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht … was Schöneres kann einem nicht passieren.

et125867Gibt es Motivtorten, die du besonders gerne backst?

Meine große Leidenschaft liegt bei den Hochzeitstorten, es gibt nicht Schöneres, als die Entwicklung vom Tortenrohling zur fertigen Hochzeitstorte zu durchleben. Und wenn dann auch noch eine unglaublich schöne Torte entsteht, dann bin ich glücklich. Wichtig ist mir, dass auch das Brautpaar dann mit strahlenden Augen vor mir steht und sich über meine Arbeit freut. Das ist mehr Wert, als alles, was man auf der Arbeit an positiver Energie bekommen kann. Oft bekomme ich dann nach einer Hochzeit schöne Bilder der Torte per E-Mail oder Danksagungskarten … das ist positives Feedback, was die Sommermonate in denen viel zu tun ist, noch schöner macht.

Gibt es eine Geschmacksrichtung, der du persönlich nicht wiederstehen kannst?

Ich liebe besonders Mango und Himbeere.

Wie kam es, dass du eher im amerikanischen Stil backst? Hat dich jemand dazu inspiriert?

Wie ich zum amerikanischen Stil gekommen bin, ist schon etwas spektakulär (grinst). Alles fing vor vier Jahren an. Ich war mit meinem Mann in Las Vegas. Dort gibt es eine Konditorei. Die Werke, und was es da alles gibt, hat mich umgehauen. Ich habe es von der ersten Sekunde an geliebt. Dann auch noch der Name – der Besitzer heißt „Jean Philippe“. Wir standen vor dem Ladenschild, schauten uns an und meinten beide „Wow, ist das ein geiler Name. Jean Philippe de Berry hört sich ja mega an“ und wir meinten, wenn wir mal ein Kind bekommen und es eine Junge wird, dann ist das der perfekte Name. Wir kamen aus dem Urlaub wieder und ich war schwanger und der Kleine wurde von Beginn an, ohne das wir wussten, was es sein wird „Jean Philippe“ genannt. Und so wird der amerikanische Stil von Jean Philippe immer etwas Besonderes für mich sein. (Mein Mann und ich sind nicht verheiratet daher hat der Kleine natürlich seine Nachnamen „de Berry“ und nicht meinen „Klaffer“ bekommen).

Wie gelingt dir der Spagat zwischen deiner kleinen Familie und deinem Fulltime-Job?

Gelingen tut mir das durch eine gute Planung. Ich sage auch Tortenanfragen ab, damit ich nicht zu lange arbeite, da ich mich ja nicht teilen kann. Mit der Zeit hat man ein Gespür dafür entwickelt, wie viel man schafft. Klar gehe ich auch mal ans Limit, wenn wirklich viele Hochzeiten sind, jedoch darf das nicht jedes Wochenende im Sommer sein. Für mich steht Familie an erster Stelle – an aller erster. Ich mache meine Arbeit mit Sorgfalt. Sollte jedoch mein Kind mal krank sein, bin ich tagsüber für ihn da und arbeite dann nachts, wenn mein Mann da ist. Sollte ich dann keine Zeit haben, dann passt er tagsüber auf. Mein Mann und ich sind ein eingespieltes Team. Wir funktionieren blind und vor allem gemeinsam, denn nur so ist es möglich, dass ich selbstständig arbeite und Mutti bin. Entweder gemeinsam oder gar nicht, das muss einem bewusst sein. Sonst funktioniert es auch ohne Selbstständigkeit nicht, dass man Familie und Beruf meistert.

Kommt es auch einmal vor, dass du vom ständigen Backen die Nase voll hast?

Ja, wenn ich um 1 Uhr nachts nach 15 bis 18 Stunden immer noch in der Backstube stehe.

Welche Eigenschaften sind die wichtigsten in deinem Beruf?

Kreativität, Flexibilität, Feingefühl

Du musst in der Backstube täglich naschen und hast trotzdem eine gute Figur. Was ist dein Geheimnis?

Gute Gene würde ich sagen. Ich versuche aber auch, nicht zu viel zu naschen und auf meine Ernährung zu achten – zumindest etwas.

Welche Kuchensorte darf unter keinen Umständen in deiner Theke fehlen?

Ich habe keine Theke. Ich vertreibe nur auf Bestellung.