KSV Hessen Kassel: Zwischen FIFA 15 und dem Fußballer-Alltag

Mannschaftsfoto_neuBeim KSV ist die Stimmung gut, vielleicht besser als je zuvor. Für den Regionalligisten läuft momentan alles rund. Abgesehen von einer achtbaren Stellung in der Liga und gute Chancen in der kommenden Saison um DFB-Pokal mitstreiten zu können, ist auch unter den Spielern alles in bester Ordnung. Die Chemie stimmt und man ist fast schon familiär miteinander. Euer BRAUSER-Team durfte die Jungs treffen und berichtet direkt von der Seitenlinie, was das Team auch abseits vom Ball beschäftigt.

Vollzeit Fußballer

„In meiner Freizeit versuche ich immer ein bisschen Abstand vom Fußball zu nehmen. Aber bei drei aktiven Geschwistern rollt ständig der Ball durch den Garten“, erklärt Steffen Friedrich recht amüsiert. Er ist gerade einmal 20, spielt aber schon regelmäßig für den KSV in der Verteidigung. Sehr gelassen erzählt er davon, dass ihn selbstverständlich auch jede Menge anderer Sportarten Spaß machen, als Melsunger natürlich besonders der Handball, aber um den Fußball kann er in seiner Zeit neben dem KSV keinen Bogen machen. Nebenher trainiert er freiwillig Junioren Mannschaften. Der Ball ist also doch irgendwie immer in der Nähe. „Ich habe gerade Besuch von meiner Cousine und ihren drei Kindern“, berichtet Sergej Evljuskin, der von seinen Team-Kameraden nur Sigi genannt wird. „Da kommt man bei gutem Wetter gar nicht ums Kicken herum. Die haben ständig einen Ball in der Hand.“ Beiden merkt man aber ganz klar an, dass der Fußball in der Freizeit für sie mehr Spaß als Belastung ist.

Was sich liebt, das neckt sich

Die Mannschafts-Kollegen sind für die Spieler mehr als nur Kollegen. Man lacht gemeinsam, kämpft gemeinsam, gewinnt gemeinsam. Da ist es gar nicht verwunderlich, dass man sich auch mal gegenseitig scherzhaft aufzieht und zusammen etwas rumalbert. „Natürlich gibt es bei uns, wie in der Schule auch, Streber, die ganz präzise und akribisch arbeiten,“ gesteht Steffen Friedrich augenzwinkernd. „Dann haben wir auch die Chiller, die alles ein bisschen lockerer sehen. Allerdings ergänzen sich die ganzen Typen wirklich gut. Deswegen ist die Stimmung wahrscheinlich auch so gut.“ Und das merkt man ihnen auch an. Sergej Evljuskin ist erst seit letztem Sommer in Kassel, aber er fühlt sich hier schon pudelwohl. „Ich durfte bisher ja leider noch nicht so viel mit dem KSV erleben, aber die gute Stimmung ist auf jeden Fall ein richtiges Highlight!“ Schon in seiner kurzen Zeit konnte er sein Team ganz genau kennenlernen. Besonders von einem Mitspieler durfte er die Angewohnheit, immer ein wenig später als die anderen in die Kabine zu kommen, kennenlernen. „Aber man sagt ja, Linksfüßler ticken sowieso etwas anders“, sagt er und lacht.

Virtuelle Profis

Der gemeinsame Spaß endet aber selten mit dem Trainingsschluss. Auch in ihrer Freizeit unternehmen die Spieler vom KSV gerne regelmäßig etwas gemeinsam. Sigi berichtet, dass sie vor Kurzem erst an der Playstation von Benjamin Girth ein FIFA-Turnier ausgetragen haben. „Mit Manchester United bin ich bis ins Halbfinale gekommen. Da bin ich aber leider gegen Bayern München ausgeschieden“, berichtet er leicht belustigt. „Ich war auch mit Chelsea dabei, auch wenn ich ein grauenhafter FIFA-Spieler bin“, erzählt Steffen Friedrich. Auf die Frage, wer das Turnier denn gewonnen hätte, drucksen beide etwas beschämt herum. Dann gestehen sie allerdings, dass am Ende eine Mannschaft, die der Computer simuliert hat, die Trophäe in die Höhe strecken durfte. „Aber wir haben auch auf einem hohen Niveau gespielt.“ Und wieder herrscht Lachen unter den Spielern.

Ein rundum aktives Leben

Die  Spiele im Mai

02.05. Saarbrücken – Kassel

09.05. Kassel – Kaiserslautern II

16.05. Trier – Kassel

23.05. Kassel – Offenbach

26.05. Kassel – Hamburg

Wenn es darum geht, was die Kasseler Spieler neben dem Fußball so fasziniert, da sind das für die meisten andere Sportarten. Sergej Evljuskin ist zum Beispiel ein begeisterter Tennis-Spieler: „Das ist, und war schon immer, neben dem Fußball meine Lieblingssportart.“ Für den Torwart Tobias Schlöffel ist der Sport neben dem Bolzen, der Eishockey. In seinem Team gilt er als absoluter Huskies-Experte. Alle anstehenden Spiele, alle Statistiken erfährt man von ihm. „Viele meiner Freunde spielen Handball, da bin ich natürlich da auch immer voll dabei“, bekundet Steffen Friedrich. Aber auch der Basketball in der NBA fasziniert ihn. Besonders im Moment, wo die Teams in die Play-offs gehen. Und auch eine kleine Begeisterung für nicht ganz so fordernde Unterhaltung müssen die Jungs eingestehen. Bei dem ein oder anderen läuft auch mal der „Bachelor“ oder das „Dschungelcamp“ im Fernsehen. Aber nur um ein bisschen lachen zu können. Wirklich!

Mit beiden Beinen im Leben

Aber natürlich gibt es für die Kasseler Fußball-Profis auch ein Leben neben dem Sport. Schließlich muss man seinem Körper auch mal ein wenig Ruhe gönnen. Steffen Friedrich ist zu Hause ein richtiger Familienmensch. „Ich unternehme sehr gerne etwas mit meiner Familie. Besonders mit meinen drei Geschwistern.“ Sergej Evljuskin berichtet, dass er seine Freizeit momentan für ein BWL-Fernstudium nutzt. „Ich hatte viele Optionen, und dann habe ich mir gesagt: mit BWL machst du erst mal nichts falsch“. Beide erzählen dann davon, dass sie, um mal richtig abzuschalten, sehr gerne in die Kurhessen Therme gehen. „Zum Entspannen ist das einfach eine super Gelegenheit“, geben sie sich gegenseitig recht. „Im Sommer reicht mir aber auch schon eine warme Wiese aus, um mal die Seele baumeln zu lassen“, setzt Sigi dann noch hinzu.

 

(Ein bisschen) Ordnung muss sein

Tage mit Spielen in der Liga oder im Pokal sind für die Kasseler IMG_2020natürlich die wichtigsten der Woche. An solchen Tage hat jeder Spieler eine ganz andere Art mit der Nervosität und dem Nervenkitzel umzugehen. „Morgens gehe ich erst noch eine Runde laufen und hole dann Brötchen. Außerdem ziehe ich mir schon, seitdem ich als kleines Kind mit dem Fußball angefangen habe, den rechten Schuh zuerst an. Das ist einfach ein Tick von mir“, gesteht Sergej Evljuskin. „Solche Rituale habe ich normalerweise nicht“, meint Steffen Friedrich dagegen. „Für mich ist es eher wichtig, dass die Abläufe vor dem Spiel stimmen.“ Von Spieler zu Spieler ist die Vorbereitung vollkommen unterschiedlich. Manch einer kann sich ganz gelassen auf ein Spiel einlassen, ein anderer braucht klare Routinen. „Wir haben da einen, der ist bei seiner Spielvorbereitung ganz penibel. Der benutzt zum Beispiel immer nur die linke Toilette. Und wenn die besetzt ist, dann wartet er.“ Ein Ritual teilen die Kasseler Spieler dann allerdings doch noch. In der Kabine läuft vor den Spielen Musik, den DJ macht dabei meistens der Stürmer Benjamin Girth. Und bevor es aufs Feld raus geht, ist das letzte Lied immer Jay-Z & Kanye Wests „Niggas in Paris“!

Auf eine erfolgreiche Saison

Für die restliche Saison ist das größte Ziel des KSV ganz klar: so weit oben in der Tabelle zu stehen wie möglich. Auch im kommenden Spieljahr im DFB-Pokal vertreten zu sein, ist für das Team wichtig. „Das wäre natürlich ein kleiner Traum, für den KSV um den Pokal spielen zu können“, meint Steffen Friedrich. Auch das anstehende Spiel gegen den Hamburger SV ist natürlich noch ein Highlight der verbleibenden Saison. Stolz blickt die Mannschaft auf die bestrittenen Spiele. Besonders an den Sieg gegen Elversberg in letzter Minute denken sie gern zurück. Darüber hinaus sind alle mit der Entwicklung der Spieler und Verantwortlichen im Verein sehr zufrieden. Und was stuft ihr dieses Jahr sonst noch so als Erfolg ein? „Vielleicht das Unentschieden gegen Stefan Müller bei unserem FIFA-Turnier auf der Playstation!“, meint Steffen Friedrich – und lacht.