Meine Straße, mein Zuhause, mein Blog

Früher gab es Tagebücher, die an einem geheimen Ort lagen und auf den nächsten Klatsch und Tratsch warteten – für Mütter, die es fanden und lasen, wartete die Strafe durch den Todesblick und ein Rumpelstilzchenaufstand. Heute gibt es Blogs und jeder darf mitlesen und mitmachen. Schauen wir uns diesen Trend mal genauer an. Was ist ein Blog, wie werde ich Blogger und worüber soll ich bloggen? BRAUSER versorgt euch mit Wissenswertem.

 

Auf den ersten Blick unterscheidet sich ein Blog nicht wesentlich von einer „normalen“ Webseite. Schaut man aber genauer hin, fällt einem auf, dass ein Blog einen ähnlichen Aufbau wie der eines Tagebuchs hat. Was macht also ein Blog aus? Im Prinzip kann man es als eine Art Sammelstelle für Gedanken und Ideen sehen und anders als auf einer Webseite werden täglich Einträge gepostet. Wikipedia erklärt den Begriff Blog so: „Das Blog (auch: der Blog) oder auch Web-Log ist ein auf einer Website geführtes und damit – meist öffentlich – einsehbares Tagebuch oder Journal, in dem mindestens eine Person, der Web-Logger, kurz Blogger, Aufzeichnungen führt, Sachverhalte protokolliert (postet) oder Gedanken niederschreibt.“

 

THEMENVIELFALT
Blogs gibt es Unzählige – mehr als 173.000.000 Stück – und ein Ende ist nicht in Sicht. Was mir bei der Recherche für den Artikel aufgefallen ist: Frauen bloggen anscheinend mehr als Männer. Wahrscheinlich ist das wie im wahren Leben. Frauen müssen sich immer und überall mitteilen: sei es über Schuhe, Handtaschen, Schmuck, Rezepte, Frisuren, usw. Und so tratschen die Mädels beim Bloggen nicht nur mit der besten Freundin, sondern verteilen den Gossip ins World Wide Web. Männer sind da eher pragmatisch veranlagt. Wenn man mal einen Männerblog findet, zeichnet er sich durch Geradlinigkeit aus und ist auf das Nötigste beschränkt. Männer brauchen eben nicht viele Worte um sich mitzuteilen. Und schon sind wir an dem Punkt angekommen. Über was willst du in deinem Blog schreiben? Denn thematisch bist du völlig frei. Es darf um alles und nichts gehen und idealerweise ist das auch so. Viele Blogs drehen sich um Rezepte (Food-Blogger) oder Mode und Design. Aber auch das eigene Leben kann Inhalt deines Blogs sein – wenn man denn sein Leben auf dem Desktop anderer präsentieren will.

 

AUF DIE BLOGGER, FERTIG, LOS!
Wer bloggen möchte, hat eine Vielzahl an Möglichkeiten das zu tun. Um einen Blog zu erstellen, stehen zahlreiche Tools zur Verfügung. Da gibt es zum Beispiel die Anbieter WordPress und Blogspot. Bei beiden wirst Du mit der Welt von CMS (Content Management System) konfrontiert. Das ist ein System, das dabei hilft, Inhalte ins Internet zu stellen. Das klingt erst mal schwierig, aber umso intensiver du dich damit beschäftigst, desto schneller lernst du dazu. Übrigens: auch tumblr- Seiten sind nichts anderes als Blogs. Bevor Du aber loslegst, solltest Du dich fragen, welche Ziele du mit deinem ersten Blog hast, warum du überhaupt bloggen möchtest, welches Thema es sein soll? Und weißt du genug über das Thema und hast du Zeit, um täglich oder einmal wöchentlich zu schreiben? Es gibt Blogs, die sind sehr professionell aufgestellt und erfreuen sich einer gigantischen Leserschaft. Und dann gibt es noch die, die lieblos gepflegt werden und die nicht wahrgenommen werden. Für den Anfang ist es ratsam, sich einen Blog bei einem kostenlosen Anbieter zu erstellen. Mit den oben genannten Anbietern ist das möglich.

 

 

BLOGAUFBAU UND MERKMALE
Blogs sind chronologisch aufgebaut. Dabei steht der neuste Eintrag ganz oben und beim Runterscrollen dann die älteren Artikel. Außerdem kann zur Übersichtlichkeit ein Archiv nach Jahren geführt werden. Wenn ein Blogger über mehrere Themen schreibt, empfiehlt es sich diese in Kategorien einzuteilen. Zum Beispiel: Mode · Wohnen ·Kosmetik · Essen. Ein Foodblogger kann zum Beispiel einteilen in: Vorspeisen · Salate · Hauptgerichte · Kuchen · und so weiter. Jeden Artikel kann und sollte man mit Schlagwörtern (die den Artikel umschreiben) „füttern“. So können Leser beim Klicken auf ein Schlagwort auch andere Artikel zum Thema finden, die mit den gleichen Begriffen ausgewiesen wurden. Ein weiteres Merkmal sind Kommentare, die man unter einem Artikel hinterlassen kann. Das dient zum ersten Austausch zwischen Blogger und Leser. Ob Kritik, Lob, Fragen oder Meinung. Hier darf man sich mitteilen. Oftmals lebt ein Blog erst von dem angeregten Austausch untereinander. Nichtsdestotrotz gibt es aber auch Blogs ohne Kommentarfunktion.

 

Blogs von Stars und Sternchen

• Zooey Deschanel hellogiggles.com

• Beyoncé iam.beyonce.com

• Kim Kardashian kimkardashian.celebuzz.com

• Gwyneth Paltrow www.goop.com

• Lady Gaga littlemonsters.com

• Dianna Agron www.youmeandcharlie.com

• Joseph Gordon-Levitt Hitrecordjoe.tumblr.com

• Matthew Gray Gubler gublernation.tumblr.com

• Jim Carrey www.jimcarreytrulife.com

• Jay-Z www.lifeandtimes.com

 

In der Region zu Hause

ess.raum ist die Spielwiese der in Espenau lebenden Privatköchin und Rezeptentwicklerin Katharina Küllmer. Seit zwei Jahren lässt sie ihre Leser an ihren ausgefallenen Ideen und aufregenden Aromenkombinationen teilhaben. Katharina ist es eine Herzensangelegenheit, Liebe und Leidenschaft für gutes Essen zu vermitteln, anzustecken, zu begeistern und Mut zu machen, mit den Zutaten und den Gewürzen zu spielen. Neben ihrer Genussmanufaktur ess.raum und ihrem gleichnamigen Foodblog (essraum. com) hat sie einen supperclub in ihrer Heimatstadt Kassel ins Leben gerufen und arbeitet gemeinsam mit einer Agentur an ihrem ersten eigenen Online-Foodmagazin. Wir baten Katharina, ein paar Tipps für Bloganfänger abzugeben.

 

BRAUSER:Welchen Blog-Anbieter würdest Du empfehlen?
Katharina: Ich habe meinen ersten Blog damals mit WordPress gestaltet. Als Start kann ich diesen Anbieter jedem empfehlen. Einziger Nachteil bei der kostenlosen Variante ist, dass dann die Blog-Adresse immer wordpress.com beinhaltet. (Bei mir damals essraum.wordpress.com.) Wenn man ein wenig investiert, kann man auch eine Domain ohne das lästige „wordpress“ erhalten. Ein paar html- Kenntnisse sind von Vorteil, aber nicht zwingend notwendig. Ich habe mir das aber auch schnell selber angeeignet und konnte so eigenständig an meinem Bloglayout basteln. Jetzt habe ich zwar eine neue Domain (essraum.com), die ist aber auch mit WordPress erstellt. WordPress hat den Vorteil, dass man in der Gestaltung recht flexibel ist, die Handhabung muss man sich jedoch ein wenig aneignen. Ein wenig unflexibler, dafür aber noch einfacher im Umgang ist meines Wissens Blogger und Blogspot.

 

BRAUSER: Wie schaffe ich Traffic auf meiner Seite?
Katharina: Ich finde es wichtig, erst einmal den Blog mit Leben zu füllen, Traffic ist zunächst nebensächlich. Kaum ein Leser wird an einem Blog interessiert sein, der nur drei Artikel hat. Sobald man einen Blog hat, der etwas Besonderes bietet (Fotos, Rezepte, Artikel, Kolumnen, Reisetipps o.ä.), kann man versuchen, die Leser auf seinen Blog zu locken. Um Traffic zu bekommen, braucht man dann Zeit. Ich habe viel bei anderen Blogs kommentiert, die ich gut fand. So sind die Blogger und andere Leser auch auf mich aufmerksam geworden. Wenn man Glück hat, „teilen“ andere Blogger meine Inhalte, machen auf mich aufmerksam und erhöhen somit die Anzahl der Menschen, die von mir lesen. Nach und nach entsteht ein Netzwerk aus Leser und Bloggerkollegen, die für Traffic auf dem Blog sorgen. Interaktion mit Anderen ist das wichtigste Wort für einen Blogger und netzwerken, netzwerken, netzwerken. Stimmt dann die Qualität des Blogs und bietet er einen Mehrwert, dann wird er früher oder später auch erfolgreich.

 

BRAUSER: Hast Du Tipps, wie man mit seinem Blog Geld verdienen kann?
Katharina: Es gibt viele Möglichkeiten und diese Frage kann man kaum in wenigen Worten beantworten. Grundsätzlich kann man aber über geschaltete Werbung (es gibt dort viele verschiedene Arten) auf dem Blog nachdenken. Allerdings ist dann häufig das Blogdesign nicht mehr so clean. Ich sehe meinen Blog eher als Instrument, Portfolio und Teil meines Business, um Aufträge als Rezeptentwicklerin und Foodfotografin zu akquirieren – damit verdiene ich indirekt mit dem Blog Geld. Auch Kooperationen, Gastartikel und Kolumnen sind interessante Möglichkeiten, allerdings muss man dazu einen bekannten Blog/Namen haben und den oben angesprochenen Mehrwert bieten.

 

ÜBERREGIONALE UND LESENSWERTE BLOGS

sandrajuto.blogspot.com Die gebürtige Schwedin lebt in Berlin. Sie ist Illustratorin, Grafik-Designerin und besitzt einen Online- Shop, wo sie neben ihren Illustrationen auch selbst gehäkelte „Wrist Worms“ (Pulswärmer) verkauft.

 

neverseconds.blogspot.de Die schottische Schülerin Martha Payne erlangte Bekanntheit, weil sie jeden Tag ihr Essen aus der Schulkantine abfotografierte und ihre Gedanken und Erfahrungen dazu aufschrieb und Unterstützung von Starkoch Jamie Oliver bekam. Martha bloggte ebenfalls Bilder von Schulessen, die ihr von Kindern aus Deutschland, Japan, Spanien, Taiwan und den Vereinigten Staaten geschickt wurden.

 

www.whatinaloves.com Dieser Blog von Ina aus der Nähe von Freiburg ist eine Sammlung von leckeren Rezepten, Tagesgeschichten, Do-it-yourself-Ideen und etwas Fotografie. Dieser Blog soll den Fokus wieder auf die kleinen Dinge im Leben, die uns glücklich machen, richten.

 

ann-meer.blogspot.de Die 24-jährige Anna-Maria ist vor Kurzem nach Berlin gezogen. Hier macht sie ein Grafik-Praktikum bei DaWanda und studiert nebenher Industriedesign. Auf ihrem Blog gibt es Rezepte, Bastelideen, tolle Fotos und viele weitere schöne Dinge.

 

chikkensfood.wordpress.com Chikk liebt gesundes Essen! Eine Sammlung leckerer Rezepte – größtenteils Slow Carb basierend – findet man auf ihrem noch relativ jungen Blog. Mit tollen Foodbildern und kurzen und knappen Erläuterungen. So macht nachkochen Spaß!

 

www.livhambrett.com Liv ist Australierin und lebt derzeit in Weiden in der Oberpfalz. Auch in Kiel und Münster hat sie sich kurzzeitig aufgehalten. Sie schildert ihre ganz eigene Sicht auf die Eigenarten der Bewohner und die Kultur des Landes. Zum Lesen: gute Englischkenntnisse vorausgesetzt!

 

dandydiary.de Ist der führende Männer-Mode-Blog Deutschlands. Seit 2010 schreiben die Autoren David Roth und Jakob Haupt über Männermode, Lifestyle und das Zeitgeschehen. Zum Auftakt der Berliner Fashion Week veranstaltet Dandy Diary traditionell die Eröffnungsparty.

 

fashionpuppe.com Anna Frost ist eine Fashionbloggerin der ersten Stunde und gründete bereits 2007 ihren Fashionblog Fashionpuppe, der zu den erfolgreichsten Fashionblogs in Deutschland zählt. In ihrem Blog finden sich die neuesten Trends aus der Welt der Mode, persönliche Styles und Fashioninspirationen sowie Tipps zu Make-up, Beauty und Haarpflege.

 

dasmutterschiff.wordpress.com Alleinerziehende Mutter schreibt humorvoll über ihre Erlebnisse und Abenteuer, die sie tagtäglich mit ihrem Kind (5 Jahre) erlebt.

 

Jakob Haupt und David Roth (beide aus Kassel stammend und nun wohnhaft in Berlin) betreiben seit 2010 den Männermode-Blog DANDY DIARY – dandydiary.de. Wir sprachen mit Jakob über ihren Blog, über Trends und Tipps.

 

BRAUSER: Wie kam es zu der Idee, einen Blog über Männermode zu initiieren?
Jakob: David ist vor einigen Jahren beim Surfen im Internet aufgefallen, dass bei der Google-Suche nach Männermode nur Homepages mit schwulen Inhalten (Dating, Unterwäsche mit Loch, kleinere F***filmchen) zu finden waren. David wollte aber was zum Thema Mode lesen. Das gab’s nicht. Also legte er selbst Hand an. Ich kam dann einige Monate später dazu – und legte ebenfalls Hand an.

 

BRAUSER:Wie spürt Ihr neue Trends/Looks auf und nach welchen Kriterien bewertet Ihr?
Jakob: Wir recherchieren trüffelschweinmäßig im Dark Web und verbringen einen Großteil unserer Zeit damit, auf internationalen Fashion Weeks im Weg rumzustehen und zu analysieren, was die coolsten Gäste, Designer und Models so anhaben. Daraus speisen sich dann unsere Trendanalysen. Unser einziges Kriterium dabei ist die Ästhetik: sieht etwas scharf aus oder nicht. Andere Fragen, wie die der Nachhaltigkeit oder Stoffe, interessieren uns nicht die Bohne.

 

BRAUSER: Verdient Ihr mit Eurem Blog Geld und was würdet Ihr Blog-Anfängern raten, wie man das erreichen kann?
Jakob: Wir verdienen mit Dandy Diary Geld, ja. Allerdings nicht wie andere Websites und Blogs durch Werbung, sondern durch Kooperationen. Beispielsweise sind wir als erster Blog eine Design- Kooperation mit einem Modelabel eingegangen (Signum X Dandy Diary) und werden auch weiterhin im Design-Bereich arbeiten. Außerdem schmeißen wir wilde Partys, bei denen die Gäste literweise Champagner trinken und ne Menge Trinkgeld geben. Das reicht zumindest meist, um unsere Büromiete und ein paar Extravaganzen (Urlaube an der polnischen Ostsee, hin und wieder eine Taxifahrt, eine Weihnachtsfeier im In-Club „Artemis“ und einen 911er in „sparkling gold“) zu finanzieren. Aber steinreich sind wir mit unserem Blog noch nicht geworden. Blog-Anfängern empfehlen wir eine möglichst spitze Positionierung, um sich von der Vielzahl an ähnlichen Blogs abzusetzen. Bei uns hilft sehr, dass wir die einzigen nicht offen homosexuellen Männer sind, die über Mode im Internet schreiben. Das törnt viele an – und verschafft uns Leser und Aufmerksamkeit.

 

BRAUSER: 2014: Was muss „Mann“ tragen, um modetechnisch up to date zu sein?
Jakob: Nagellack (Chrom), lange Haare und möglichst Kleidung der angesagten Streetwear-Marke „Hood By Air“. Genereller gesprochen: Running- Schuhe (knallbunt), weite Hosen mit tiefem Schritt (90er Jahre Rapper-Look), T-Shirts mit Aufnähern (Racing-Look).

 

Fotos: Archiv, Maik Fischer (n.h), © tiero, © bonninturina – Fotolia.com