Sport: Fingerboard

Schnelle Finger
Schwung, Sprung und nach einem Ollie die perfekte Landung. Nein, wir sprechen hier nicht über Skateboarding. Doch weit davon entfernt ist unser Sport nicht. Der BRAUSER beschäftigt sich diesmal mit Fingerboarding. Perfekt für den Zeitvertreib zu Hause und mit Freunden, wenn es draußen mal wieder stürmt und schneit und die Skaterhalle geschlossen und die Outdoor-Halfpipe zugefroren ist.

 

Das Fingerboard ist ein Miniaturskateboard, das nur mit zwei Fingern gefahren wird – mit Zeige- und Mittelfinger. Hier geht es darum, dass möglichst viele Tricks vorgeführt werden und zusammen kombiniert werden. Fingerboarding ist eine Funsportart, die dem Skateboarding ähnelt – nur dass das Board klein ist und mit den Fingern gefahren wird statt mit den Füßen. Auch die Tricks beim Fingerboarding heißen genauso, wie sie beim Skateboarding benannt werden.

 

KICKSTART
Die Anfänge des Fingerboardings war um 1970. Damals erschienen die ersten Artikel zum Thema in einschlägigen Szenemagazinen. Der Funsportart wurde immer mehr Aufmerksamkeit zuteil und 1980 gab es die ersten Videos zu Fingerboarding. Später gab es Schlüsselanhänger mit kleinen Skateboards und die Fingerboarder bogen sie sich mit Hilfe von Feuerzeugen zurecht, um sie zu fahren. 1990 wurden die Spielzeughersteller auf die Fingerboards aufmerksam und begannen technisch funktionierende Repliken von Skateboards zu produzieren. So entstand das kleine Fingerboard. 1997 wurde Fingerboard hierzulande bekannt und ab 2000 gab es jährlich in Schwarzenbach an der Saale den „Fast Fingers“ Contest. Ab 2008 wurde dieser dann zur Weltmeisterschaft ernannt, da es mittlerweile unzählige Anfragen zur Teilnahme gab. Übrigens gibt es zwei Kategorien des Fingerboards. Zum Ersten sind das Fingerboards, die hauptsächlich zum Sammeln geeignet sind. Die Exemplare bestehen meistens aus Kunststoff und die Einzelteile, wie z.B. Rollen, sind auch nicht austauschbar. Und dann gibt es die originalgetreuen Nachbildungen von Skateboards. Diese Exemplare bestehen aus verschiedenen Holzarten und haben viele andere Eigenschaften (z.B. echtes Griptape – eine Art Schleifpapier auf der Oberseite), die den Skateboards ähneln.

 

KLEINE BRETTERKUNDE
Im Fingerbord gibt es nicht viele Regeln. Es geht eher um den Spaß, den man hat, wenn man das Board unter den Fingern fahren lässt. So dürfen nur zwei Finger zum Fahren benutzt werden. Dabei handelt es sich um Zeige- und Mittelfinger. Der Daumen darf auch bei den Kombination Ollie, Flips, Grinds oder Slides nicht benutzt werden. Nur einmal darf er benutzt werden und das ist für einen „Grab“ (engl. für greifen/zupacken) in der Luft. Jedoch darf der Daumen nicht die Flugbahn des Fingerboards beeinflussen. Und Zeige- und Mittelfinger müssen sich beim Landen auf dem Board befinden. Außerdem darf man nie mit der kompletten Handfläche auf dem Board landen. Und das Board darf nicht in der Luft gefangen werden oder geworfen werden. Man muss das Fingerboard mit seinen beiden Fingern in der Luft unter Kontrolle bringen.

 

RAMPE, BOWL UND ZUBEHÖR
Wie auch beim Skateboarding gibt es bei der Miniaturausgabe die Möglichkeit über Hindernisse zu springen und seine Tricks auszuführen. Hierfür gibt es eigens für Fingerboarding angefertigte Rampen und Bowls. Diese werden aus Holz, Metall, Granit und auch Zement/Beton gefertigt. Wer sich in Kassel vielleicht auch einfach mal nur näher anschauen möchte, wie solche Rampen aussehen können findet im Innenhof der Kunsthochschule einige Betonrampen von Fingerboarder und Kunststudent Max Eschenbach. In der Mr. Wilson Skatehalle (Brandaustraße) gibt es einen professionellen Fingerboardpark zum freien ausprobieren. Wie schon beschrieben, gibt es bei den originalgetreuen Fingerboards die Möglichkeit das Zubehör auszuwechseln. Somit können Achsen aus Metall und Rollen aus Kunststoff oder Metall mit Miniatur- Kugellagern getauscht werden. Sogar kleine Schrauben für die Achsen und auch Tape die es für das Deck bekleben gibt, sind im Handel erhältlich. Für den Schutz des Equipments gibt es kleine Taschen. Ebenso wie bei den Skateboards werden diese Artikel mit großer Präzision hergestellt. Fingerboard genießt in der Szene eine große Beliebtheit und die in Spielzeugläden erhältlichen Boards sind nicht zum Fahren geeignet. So gibt es mittlerweile verschiedene Anbieter und Firmen, die in Kleinstserie und mit Handarbeit die kleinen Holzdecks herstellen.

 

Wer sich gerne selbst mal ein Bild von einem Contest und Fingerboard machen möchte, dem empfehlen wir die „Kassel Ost Bowlmasters“ in Helsa, die voraussichtlich 2014 wieder stattfinden werden. Für mehr Informationen klick dich einfach auf www.saiyan-dead.com/kassel-o/ rein.

 

Wer sich generell mit Fingerboarding beschäftigen möchte, dem sei das Buch „Fingerboarding – alles über das skaten mit der Hand“ von Martin Winkler empfohlen. Weitere Informationen sowie Fingerboards und Zubehör für alle vom Einsteiger bis zum Profigerät findet man bei www.blackriverramps. com.

 

 

Interview mit Tobias Phieler (28 Jahre):

 

BRAUSER: Wie lange machst du schon Fingerboarding?
Tobias: Angefangen habe ich 1998, mittlerweile sind es also 15 Jahre.

 

BRAUSER: Wie kann man dafür trainieren?
Tobias: Dass tolle am Fingerboarden ist, dass man es eigentlich immer und überall machen kann… Zwei Finger, ein Board und ein Tisch, Bank, Stuhl etc. und es kann losgehen. Trainieren ist allerdings so ein Wort, dass mir und den meisten Fingerboardern, die ich kenne, allerdings eher widerstrebt… Es geht eigentlich nur um den Spaß, um das gute Gefühl einen schönen Trick zu stehen. Damit das aber auch klappt, muss man eben einfach immer wieder machen, ein Gefühl dafür entwickeln, so wie es eigentlich bei allem ist… Skateboardern fällt das oft einfacher, da die Bewegungen prinzipiell 1 zu 1 die gleichen sind.

 

BRAUSER: Für welchen Trick hast du am längsten gebraucht und gibt es Tricks, mit denen du Probleme hast?
Tobias: Ich persönlich habe sehr lange gebraucht für alle sogenannten switch-Tricks, also Tricks, die in die andere Richtung gefahren werden. Die „normale“ Richtung beim Fingerboarding ist für Rechtshänder nach links, sodass der Zeigefinger quasi das vordere Bein ist. Alle Tricks sind aber grundsätzlich auch mit dem Mittelfinger nach vorne, für Rechtshänder also nach rechts möglich. Dafür habe ich ziemlich lange gebraucht und bin auch immer noch nicht so sicher wie andersrum.

 

BRAUSER: Gibt es spezielle Events in der Szene?
Tobias: Der wichtigste Event in der Fingerboardwelt ist seit nunmehr 12 Jahren der Fast-Fingers in Schwarzbach an der Saale bei Hof in Bayern. Ende Mai 2014 findet die siebzehnte Ausgabe statt, zum siebten Mal als offizielle Weltmeisterschaft. Weiterhin gibt es zwei wichtige Termine in Berlin, einmal der „Battle at the Harrics“ im März und der ASI Berlin Contest im September. Auch diese beiden Events ziehen in den letzten Jahren ein immer internationaleres Publikum an.

 

BRAUSER: Wie kann ein Anfänger damit am besten beginnen?
Tobias: Während professionelle Fingerboards über 100 Euro wert sind, gibt es Einsteigermodelle schon ab ein paar Euros z.B. in Skateshops zu kaufen. Für den Anfang sind diese vollkommen ausreichend und man kann bei steigender Begeisterung und Können jederzeit flexibel aufstocken. Für den Anfang gibt es im Internet verschiedene Foren und Youtube- Kanäle auf denen man sich Rat und Tipps zu Tricks besorgen kann. Vor ein paar Jahren hat Fingerboardlegende Martin Winkler sogar ein Buch geschrieben, das neben vielen Hintergrundinfos auch bebilderte Beschreibungen der grundlegenden Moves enthält. Die Grundbewegungen kann man übrigens auch super auf einem Bein lernen! 😉 Wer in Kassel mal reinschnuppern möchte findet übrigens in der Mr.Wilson Skatehalle einen kompletten Fingerboardpark, der so auch schon bei Meisterschaften zum Einsatz gekommen ist.

 

 

Fotos: Tobias Phieler,Archiv, © Evgenia, © aigarsr – fotolia.com