Das Spiel mit dem Bischofsstab: Lacrosse in Kassel

von Thomas Lange

 

Lacrosse. Lacrosse – eine in Deutschland noch immer eher unbekannte Sportart. Der EXTRA TIP wollte sie kennenlernen und startete in den Selbstversuch bei Kassels einzigem Lacrosse-Team, den Kassel Raccoons („Waschbären).

 

Auf den ersten Blick wirken die sportlichen Männer der Kassel Raccoons  befremdlich: Helme wie die der American Football-Spieler tragen sie auf dem Kopf, dazu Handschuhe, die denen von  Eishockeyspielern ähneln, und dazu   lange Schläger mit Fangnetzen an der Spitze in der Hand. So versuchen sie einen Ball, etwa so groß wie ein Tennisball, im gegnerischen Tor unterzubringen. Dass es dabei ordentlich zur Sache geht, merke ich erst, als ich es zu spüren bekomme: Checks, Schläge auf die Hände und hartes Abdrängen im Spiel sind nicht etwa verboten, sondern ausdrücklich gewünscht. Ich bin beim Lacrosse, einer der härtesten Sportarten, die es gibt.
Im Gegensatz zum Hand- oder Fußball ist der Einstieg in diesen Sport nicht ganz einfach: Der Ball wird nur mit dem Stick („Schläger“) gepasst und auch gefangen. Das Netz am oberen Rand soll beides ermöglichen – für mich als Anfänger eine zu Beginn sehr schwierige Aufgabe. Entweder erwische ich den Ball nicht oder er fällt aus dem Fangnetz wieder heraus. Auch das Passspiel gestaltet sich anfangs schwierig – der Ball kommt nicht da an, wo ich ihn hin haben möchte. „Aber mit ein bisschen Übung wird das schon gehen“, beruhigt Sebastian Dörr, ehemaliger Handballspieler und jetzt eisenharter Verteidiger der Raccoons. Und er behält Recht: Im Laufe des Trainings wird der Umgang mit dem langen Schläger immer besser, mit ein bisschen Rücksichtnahme der Mannschaft kann ich sogar am Trainingsspiel teilnehmen. Erst als ich fordere, mich nicht länger als Anfänger zu behandeln, bekomme ich die ganze Härte der Sportart zu spüren: Schläge auf Hände und Stick – im Eishockey streng verboten – gehören beim Lacrosse zum guten Ton. Nach einem krachenden Check finde ich mich nach Luft ringend auf dem Kunstrasenplatz wieder. Durch die Kombination aus laufen, fangen, werfen und permanentem zweikämpfen bin ich nach kürzester Zeit schwer am Schnaufen. Aber: Spaß hat es allemal gemacht und ist eine echte Alternative zu herkömmlichen Sportarten. Mein Fazit: Schneller, harter Sport mit hohem Spaßfaktor.

 

Damen-Lacrosse: Mehr Taktik, weniger Härte

 

Kassel hat übrigens nicht nur ein Herrenteam, sondern auch eine Damenmannschaft (1. Bundesliga). Da das Regelwerk weniger Körperkontakt vorgibt, als bei den Herren, ist das Spiel wesentlich taktischer und weniger hart.

 

Wer Lacrosse kennenlernen möchte, kann sich auf der Homepage der Raccoons umsehen – auch im Winter wird trainiert: www.hockey-club-kassel.de

 

Das Spiel

 

Lacrosse ist ein Sport, der nordamerikanischen Indianern als Kriegsvorbereitung diente. In Kanada ist er Nationalsport und wesentlich populärer als in Deutschland. Erst im 19 Jahrhundert kam der Sport über England nach Europa, war 1908 letztmals olympisch. Der Name Lacrosse stammt von einem französischen Gläubigen, der den langen Schläger mit einem Bischofstab („La Crosse“) verglich.

 

Die Regeln

 

Gespielt wird auf einem 55 m breiten und 102 m langen Feld. Das Tor ist 1,83 m x 1,83 m groß und befindet sich im Gegensatz zu den meisten anderen Ballspielen nicht am jeweiligen Spielfeldende, sondern 14 m davor. Pro Team werden neun Feldspieler und ein Torwart eingesetzt. Der Ball besteht aus Hartgummi. Er wird mit dem Schläger („Crosse“ oder „Stick“) gefangen, getragen und geworfen. Im Schlägerkopf befindet sich ein Netz, die sogenannte „Pocket“, das gleichzeitig präzises Passen und Ballkontrolle ermöglichen soll.
Gespielt wird bei den Herren 4 x 20 oder 4 x 15 (amerikanische Ligen) und bei den Damen 2 x 30 Minuten.

 

Während bei den Herren mit viel Körperkontakt gespielt wird, ist dieser bei den Damen reduziert. Umfangreiche Schutzausrüstung – bei den Männern im Regelwerk vorgeschrieben – daher nur teilweise Pflicht.

 

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