Thema: Capoeira

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Brasilien ist bekannt durch seine Weltklassefußballer, seinen tropischen Regenwald, dem großen Artenreichtum und den fröhlich bunten Sambatänzerinnen. Doch dieses Land hat noch mehr zu bieten. Neben Fußball ist die Kampfkunst Capoeira genauso populär. Wir erklären Euch, worum es dabei geht.

 

KAMPFKUNST AKROBATIK UND TANZ

 

Bei dieser rasanten Mischung aus Tanz, Kampftechnik und Akrobatik lernt man, seinen Körper zu beherrschen. Über die Entstehung ist wenig bekannt. Möglicherweise haben die ersten Bantu-Sklaven, die zu Beginn des 16. Jahrhunderts aus Angola nach Brasilien verschleppt worden, dort die Capoeira entwickelten. Traditionelle Tänze und Kampfspiele haben die Afrikaner zu einer von den Sklavenhaltern gefürchteten Verteidigungstechnik umgewandelt und Musik dazu gespielt, damit das heimliche Kampftraining eher als Tanz getarnt war. Wir wollen euch aber nicht ellenlang mit Geschichtsfakten quälen, sondern euch einen kleinen Einblick in diese Sportart geben. Bei Capoeira wird der gesamte Körper beansprucht – dabei ist man zu Fuß aber auch auf den Händen „unterwegs“. Und das passiert sogar auf mehreren Raumebenen – tief am Boden, in der Luft oder eben ganz normal in der Ebene, die wir alltäglich einnehmen, das heißt so, wie wir aufrecht stehen und laufen. Neben typischen Angriffs- und Verteidigungstechniken werden auch Akrobatiken wie Handstand, Überschlag und Drehungen erlernt. Trotz dieser doch speziellen Techniken benötigst du keinerlei Vorerfahrungen. Vordergründig soll Capoeira dir Spaß machen und Freude bringen.

 

DIE MUSIK UND DER ABLAUF

 

Wie schon zu lesen war, ist Capoeira eng und unablässig mit Tanz und Musik verknüpft. Deshalb sind Musikinstrumente immer dabei, wenn zwei „Spieler“, genannt Capoeiristas in einer Roda (Kreis) der durch singende, klatschende Musiker, Zuschauer und andere Capoeiristas gebildet wird, ihre Bewegungen und ihr spielerisches Kampftraining austragen. Dabei ist es wichtig zu erwähnen, dass fast nie richtige Schläge oder Tritte ausgeführt werden. Es sind vielmehr Schattentritte und -schläge, die den Gegner nicht berühren, sondern knapp an ihm vorbeigleiten und somit spielerisch und tänzerisch eine fließende Bewegung zur Musik ausgeführt wird. Richtige Schläge und Tritte mit Kontakt werden nur selten und wenn dann nur von sehr fortgeschrittenen Capoeiristas ausgeführt, dabei beruht das Spielen mit Kontakt auf gegenseitigem Einverständnis. Capoeira ist wie erwähnt ganzkörperbetont, bestehend aus Drehtritten, Abwehrtechniken, Boxen und Saltos. Wichtiger Aspekt beim Capoeira ist der Rhythmus, genannt Toque. Das wichtigste Instrument hierfür ist der Berimbau. Das ist ein Musikbogen mit einem gespannten Draht, der als Saite dient und am unteren Ende des Bogens ist ein aufgeschnittener, ausgehöhlter Flaschenkürbis als Resonanzkörper befestigt. Mit einem Holzstäbchen wird an den Draht geschlagen und mit einem Stein oder einer Münze, die der Spieler an den Draht presst, wird die Tonhöhe verändert. Der oder die Musiker mit dem Berimbau hält noch ein geflochtenes, geschlossenes Körbchen, in dem sich Pflanzensamen befinden. Dieses nennt man Caxixi; es dient dazu, den Rhythmus zu verstärken. Berimbau zu spielen ist sehr schwierig. Der Klang dieses Instruments ist für die Capoeira wie der Herzschlag für den Menschen. Des Weiteren gibt es die Atabaque – eine Trommel und ein Pandeiro. Das ist eine Rahmentrommel, die dem Tambourin ähnlich sieht. Das Spiel der Musikinstrumente wird unterstützt durch Lieder, die auf Portugiesisch gesungen werden.

 

STILE

 

Zwei Capoeira-Formen haben sich im Laufe der Zeit der Geschichte gebildet – zu einem die Traditionelle auch als Capoeira Angola bezeichnet und zum anderen Capoeira Regional, die sich erst später entwickelte. Zugrunde gehen geschichtliche tiefergründige Aspekte, die hier zu erklären den Rahmen sprengen würden. Dabei ist nur kurz zum Verständnis zu erwähnen: Capoeira Angola steht für eine soziale und politische Positionierung und ist die Urform und Capoeira Regional, die einen wichtigen Schritt zur Legalisierung und Akzeptanz geleistet hat, ist weiterhin die populärere und spektakuläre Stilart.

 

DIE SEELE DER KAMPFKUNST

 

Übrigens, das zentrale Element ist die Seele der Capoeira – genannt Malícia. Sie gehört zum Temperament der Capoeiristas. Malícia ist eine Lebensart, sie ist angeboren und kann nicht erlernt werden. Frei übersetzt bedeutet es „Verschlagenheit“ oder „Bösartigkeit“. Doch in Brasilien wird Malícia als positiv belegte Eigenschaft gesehen. Somit ist es eher mit „Cleverness“ oder „Listigkeit“ zu übersetzen. Bei der Capoeira Angola ist sie das wichtigste Element und bringt Spannung und Dynamik in die Kombination aus Musik, Gesang, Tanz und Kampf. Bei der Capoeira Regional ist aufgrund der Spielkürze auf Malícia nicht so intensiv ausgeprägt.

 

CAPOEIRA IN DER REGION

 

Bist Du neugierig geworden und möchtest Capoeira selbst einmal ausprobieren, so bieten sich Dir verschiedene Möglichkeiten. Erste empfehlenswerte Anlaufstelle ist Capoeira Conquista in der Sporthalle in der Brüder-Grimm-Straße 14 in Vellmar (www.capoeira-conquista.de). Hier wird vorwiegend Capoeira Regional unterrichtet. Für ein Probetraining, benötigst Du nicht mehr als eine bequeme Sporthose und etwas zu trinken. Denn du wirst sicherlich viel schwitzen und mit Wasser kannst du den Flüssigkeitsverlust wieder ausgleichen. Tobias Mantz, Lehrer von Capoeira Conquista in Vellmar erklärt, was ihr alles bei der Schnupperstunde erleben könnt: „Ihr könnt euch erst einmal einen richtigen Eindruck über die Kunst der Capoeira verschaffen. Wir erarbeiten zunächst Schritt für Schritt auf einer spielerischen Art und Weise die Grundbewegungen. Darauf aufbauend trainieren wir dann eure Körperbeherrschung, Beweglichkeit sowie eurer Koordinations- und Reaktionsvermögen. Akrobatische Übungen sind natürlich auch dabei, und jedes Training fördert eurer Rhythmusgefühl, da es kein Capoeira Unterricht ohne Musik gibt. Einmal wöchentlich ist sogar ein richtiger Capoeira Mestre (höchste Graduierung im Capoeira) dabei.“ Beim CVJM in der Wolfsschlucht 21 in Kassel findet an zwei Tagen der Woche ein Capoeira Angola Training statt. Und auch die Uni Kassel stellt einen Kurs mit Capoeira Regional bis Februar 2013 zur Verfügung. Auch in deiner Region, egal ob Eschwege, Melsungen, Fritzlar, …. , gibt es möglicherweise in Sportstätten, wo Judo, Wing Tsun und weitere Kampfsportarten unterrichtet werden, auch ab und an einen Capoeira-Workshop. Einfach am Besten mal nachfragen und die Augen und Ohren offen halten.